Die Affäre um den zurückgetretenen Wirtschaftskammer-Präsidenten Walter Ruck bekommt eine neue, brisante Wendung: Neu aufgetauchte Tonaufnahmen aus Rucks Weinkeller belasten nun auch Donaustadts SPÖ-Bezirksvorsteher Ernst Nevrivy – mit scharfen persönlichen Attacken gegen die eigene Parteispitze.
Eine Vierer-Runde vom November 2025
Der „Kurier“ zitiert neu aufgetauchte Tonaufnahmen aus einer Vierer-Runde vom 20. November 2025 im Weinkeller des inzwischen zurückgetretenen Wiener Wirtschaftskammer-Präsidenten Walter Ruck, wie oe24 berichtet. Darin finden sich scharfe Verbalattacken Nevrivys gegen die eigene Parteispitze sowie gegen Vorstands- und Regierungsmitglieder.
Frontalangriff auf Vizekanzler Babler
Besonders deutlich wird Nevrivy gegenüber SPÖ-Bundesparteivorsitzendem und Vizekanzler Andreas Babler – deutlicher als bislang bekannt. Neben der pauschalen Bezeichnung der Parteispitze als „Dilettantenpartie“ und einer als „deprimierend“ beschriebenen Gesamtlage attackiert er Babler direkt: „Ein Bürgermeister, der nichts kann“ und „Babler kann nichts“, lautet das vernichtende Urteil des Bezirksvorstehers über seinen Parteichef – garniert mit Schimpfworten, wie oe24 aus dem Bericht des „Kurier“ zitiert.
Konkrete inhaltliche Vorwürfe
Nevrivy beließ es dabei nicht bei pauschalen Beleidigungen, sondern wirft Babler auch handwerkliche Fehler in der praktischen Regierungsarbeit vor. Bei der Mietpreisbremse habe die Maßnahme laut Nevrivy dazu geführt, dass „kein einziger Österreicher weniger Miete gezahlt“ habe. Auch bei der Rentenpolitik stößt sich Nevrivy an der Einstufung von Pensionen ab 2.500 Euro brutto als Sonderbeitrag: Dadurch habe laut seiner Darstellung „jeder Österreicher, der sein Leben lang gearbeitet hat, auf einmal eine Luxuspension laut Babler“.
Auch Wiener Stadtpolitik nicht verschont
Wie aus dem „Kurier“-Bericht weiter hervorgeht, schoss Nevrivy in der Runde keineswegs nur gegen den Bundesparteichef. Die Wiener Wirtschaftsagentur bezeichnete er als „inkompetentesten Haufen, den es geben tut“ – jenes Zitat, das bereits zuvor öffentlich geworden war. Zusätzlich stellte er offen die inhaltliche Kompetenz von Wiens Gesundheitsstadtrat Peter Hacker (SPÖ) infrage.
Ein Vertrauter mit belasteter Vorgeschichte
Nevrivy selbst gilt als enger Vertrauter von Bürgermeister Michael Ludwig. In der Vergangenheit hatte der Bezirksvorsteher bereits mehrere juristische Verfahren überstanden – darunter einen Freispruch im sogenannten Wienwert-Prozess sowie eine eingestellte Ermittlung in der Kleingartenaffäre. Für ihn sorgt die aktuelle Veröffentlichung der Tonbänder nun für erhebliche neue politische Brisanz.
Ein zunehmend ausuferndes Nachbeben
Die Affäre rund um die im Weinkeller getätigten Aussagen weitet sich damit immer weiter aus: Was ursprünglich als Skandal um Rucks eigene Äußerungen begann, entwickelt sich zunehmend zu einer parteiinternen Belastungsprobe für die SPÖ selbst – mit einem Bezirkspolitiker, der öffentlich gewordene, überaus scharfe Kritik an der eigenen Bundesparteispitze geübt haben soll. Wie Nevrivy und die Parteiführung um Babler auf die neuerlichen Enthüllungen reagieren, bleibt vorerst abzuwarten.
Credits: Parlamentsdirektion/Thomas Topf
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