Spionage-Verdacht in Wien: Bundesheer sucht nach 21 mutmaßlichen Agenten

Spionage-Verdacht in Wien: Bundesheer sucht nach 21 mutmaßlichen Agenten

Das österreichische Verteidigungsministerium hat intern Alarm geschlagen: In einer dringlichen Nachricht an alle Soldaten sucht das Bundesheer nach Hinweisen auf 21 Personen, die unter diplomatischer Tarnung in Wien für russische Geheimdienste tätig gewesen sein sollen.

Eine interne Warnung mit klarem Auftrag

„Sollte Ihnen eine oder mehrere dieser Personen bekannt sein oder mit Ihnen Kontakt aufgenommen haben, werden Sie ersucht, dies über die Meldestelle Spionage als Beitrag zur Spionageabwehr dem Abwehramt mitzuteilen“, heißt es in der internen Nachricht, die Heute.at vorliegt. Ziel des Bundesheeres ist es herauszufinden, ob die genannten Personen bereits versucht haben, Kontakte zu Soldaten aufzubauen, um so an Informationen zu gelangen.

Ursprung der Recherche: Ein russisches Exilmedium

Die Namen und Bilder stammen ursprünglich aus einer Recherche des russischen Oppositionsmediums „Agentstvo“, das seine Analyse am 10. August veröffentlichte, wie das Portal „United24Media“ berichtet. Grundlage waren die vom österreichischen Außenministerium veröffentlichten Diplomatenlisten sowie geleakte russische Datenbanken mit Melde- und Steuerinformationen, zusammengetragen in der Datenbank Rupep.org. Die deutsche „Bild“-Zeitung übersetzte die Namen, Funktionen und angeführten Verbindungen der Betroffenen ins Deutsche. Österreichische Nachrichtendienste stufen die Informationen laut Heute.at als glaubwürdig ein.

Acht Botschaftsmitarbeiter im Fokus

Unter den insgesamt 48 gelisteten Mitarbeitern der russischen Botschaft in Wien sieht „Agentstvo“ bei mindestens acht Personen mögliche Verbindungen zu russischen Geheimdiensten. Berater Jewgeni Ambrosij sowie die Attachés Alexander Solobow, Alexander Palojan und Dmitri Fedorow sollen demnach Verbindungen zum Auslandsgeheimdienst SWR haben – als Indizien werden unter anderem frühere Wohnadressen nahe der SWR-Zentrale in Moskau sowie Einkünfte von SWR-nahen Einrichtungen genannt. Alexander Golowaschkin, Alexei Fokin und Stanislaw Alexandridi werden dagegen mit dem Militärgeheimdienst GRU in Verbindung gebracht, Attaché Dmitri Kramarew soll wiederum Verbindungen zum Inlandsgeheimdienst FSB haben und zuvor im Forschungszentrum „Atlas“ gearbeitet haben.

Auch OSZE-Mitarbeiter betroffen

Von den 22 Mitgliedern der ständigen russischen Vertretung bei der OSZE sollen laut Recherche sieben mögliche oder bestätigte Verbindungen zu Sicherheits- oder Geheimdienststrukturen aufweisen. Anton Momatiuk, Vitali Koslow, Sergei Kildjaschow und Alexei Silantjew werden dabei mit dem GRU in Verbindung gebracht, hauptsächlich anhand von Registrierungen und Wohnadressen bei Einrichtungen des russischen Militär- und Sicherheitsapparats. Wladimir Krawtschenko soll früher im 4. Forschungszentrum des russischen Verteidigungsministeriums tätig gewesen sein.

Auch IAEA und UNO-Vertreter genannt

Bei der Internationalen Atomenergieorganisation IAEA werden Igor Cholodnikow, Sergei Berezyn und Grigorij Kriwenko mit möglichen GRU-Verbindungen in Zusammenhang gebracht. Auch Artjom Ratzko, tätig bei den Vereinten Nationen, sowie Alexander Zajarnyj von der UNIDO tauchen in der Liste auf.

Wichtige Einschränkung: Keine Beweise für aktuelle Tätigkeit

Zur journalistischen Einordnung entscheidend: Sowohl der ursprüngliche „Agentstvo“-Bericht als auch die österreichische Berichterstattung darüber betonen ausdrücklich, dass konkrete Belege für eine tatsächliche, aktuelle geheimdienstliche Tätigkeit der genannten Personen in Österreich fehlen, wie unter anderem SN.at und oe24.at unter Berufung auf APA-Informationen festhalten. Die Aufzählung selbst gilt zudem als unvollständig – nicht gelistet ist etwa ein bereits 2009 vom Bundesamt für Verfassungsschutz und Terrorismusbekämpfung (BVT) identifizierter mutmaßlicher SWR-Offizier, der nach einer Unterbrechung 2020 als Erster Botschaftssekretär nach Wien zurückkehrte.

Wien als traditionelle Spionage-Drehscheibe

Wien gilt aufgrund seiner geografischen Lage sowie der zahlreichen internationalen Organisationen seit Jahrzehnten als eine der wichtigsten Drehscheiben internationaler Geheimdienste. Allein in der russischen Vertretung im dritten Wiener Gemeindebezirk soll nach Einschätzung österreichischer Sicherheitsbehörden eine dreistellige Zahl an Verbindungsleuten Moskaus in Österreich aktiv sein, mit dem Ziel, Informationen über Politiker, Firmenchefs und Russland-Kritiker zu sammeln und nach Moskau zu übermitteln.

Credits: Bild KI erzeugt

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