Der ORF kommt personell nicht zur Ruhe: Wie mehrere ORF-Insider gegenüber oe24 berichten, soll Generaldirektorin Ingrid Thurnher einen langjährigen Mitarbeiter fristlos entlassen haben – der Vorwurf lautet auf jahrelange Weitergabe interner Informationen sowie gezielte Anschwärzungen gegen ORF-Direktoren.
Die Vorwürfe im Detail
Betroffen ist ein Mann, der laut den oe24 vorliegenden Insider-Angaben lange auch in der ORF-Generaldirektion tätig war und als „Verbindungsmann zur ÖVP“ gegolten haben soll. Er soll über ein anonymisiertes Handy jahrelang interne Informationen an verschiedene Journalisten weitergegeben haben. Zusätzlich soll er nach Angaben der von oe24 zitierten Insider auch „gezielte Vernaderungen“ gegen ORF-Direktoren an Journalisten weitergeleitet haben, ohne dass er dazu aufgefordert worden wäre.
Monatelange interne Prüfung
Nach monatelangen forensischen Untersuchungen sei der Mann „überführt“ worden, berichten die von oe24 zitierten Quellen. Daraufhin sei die fristlose Kündigung ausgesprochen worden – dies bestätigten mehrere ORF-Quellen dem Portal inoffiziell. Eine öffentliche, namentliche Bestätigung durch den ORF selbst liegt nach aktuellem Kenntnisstand nicht vor.
Vergleichbares Angebot abgelehnt
Laut den Insiderberichten habe Thurnher dem Mitarbeiter zunächst angeboten, das Dienstverhältnis einvernehmlich zu beenden – ein Angebot, das dieser abgelehnt haben soll. Dem Vernehmen nach sieht er sich selbst zu Unrecht angegriffen. Auch innerhalb der ÖVP, die er im Laufe der Jahre offenbar sowohl mit zutreffenden als auch mit unzutreffenden Informationen versorgt haben soll, sei man bereits auf Distanz zu ihm gegangen, heißt es weiter.
Ein Muster wiederkehrender Compliance-Fälle
Der aktuelle Fall reiht sich in eine längere Serie ähnlicher Vorgänge beim ORF ein. Erst Anfang August hatte Thurnher den bisherigen ORF-3-Geschäftsführer Peter Schöber nach einer Compliance-Untersuchung mit sofortiger Wirkung von seiner Funktion abberufen und beurlaubt – ausgelöst durch Vorwürfe von rund 50 aktuellen und ehemaligen Mitarbeitern wegen Mobbing, toxischen Führungsverhaltens und politischer Einflussnahme, wie das Portal „Kosmo“ berichtete. Bereits im Juni hatte der ORF zudem den langjährigen Werbechef Oliver Böhm fristlos entlassen, nachdem eine interne Compliance-Prüfung unter Einbindung externer Experten zu dem Schluss gekommen war, dass sein Verhalten „in mehrfacher Hinsicht“ eine Weiterbeschäftigung nicht zulasse, wie exxpress.at dokumentierte.
Weitere Fälle in Prüfung
Nach oe24 vorliegenden Informationen prüft die ORF-Compliance-Stelle derzeit noch weitere mögliche Fälle von Fehlverhalten – weitere personelle Konsequenzen seien demnach nicht ausgeschlossen. Der ORF selbst befindet sich zudem gerade in einer wichtigen personellen Übergangsphase: Am 11. August wählte der Stiftungsrat die vier Direktoren des künftigen Generaldirektors Clemens Pig, der sein Amt mit Jänner 2027 antritt.
Wichtiger Hinweis zur Quellenlage
Dieser Bericht stützt sich – anders als die vergleichbaren, offiziell bestätigten Fälle Schöber und Böhm – ausschließlich auf anonyme Insiderquellen, ohne dass eine offizielle ORF-Stellungnahme oder eine namentliche Bestätigung vorliegt. Die geschilderten Vorwürfe sind damit bislang nicht unabhängig verifiziert.
Credits: Dieter Zirnig (sugarmelon.com) – https://www.flickr.com/photos/sugarmeloncom/2806855436/sizes/l/in/set-72157606364785503 for flickr image, cropped by User:Geiserich77, CC BY 2.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=4740339
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