Der sogenannte Erstsprachenunterricht an Österreichs Schulen sorgt für neue politische Debatten. Eine FPÖ-Anfrage an Bildungsminister Christoph Wiederkehr (NEOS) fördert nun Details zu Umfang und Kosten des freiwilligen Angebots zutage – und offenbart dabei auch Lücken in der eigenen Datenerfassung des Ministeriums.
Was der Erstsprachenunterricht überhaupt ist
An Österreichs Schulen können Kinder und Jugendliche freiwillig Unterricht in jener Sprache besuchen, die sie neben Deutsch als Familien-, Alltags- oder Erstsprache sprechen – unabhängig von ihrer Staatsbürgerschaft. Das bedeutet: Auch Schüler mit österreichischem Pass nehmen an diesem Angebot teil, etwa in Türkisch. Genau dieser Umstand ist für den FPÖ-Nationalratsabgeordneten Harald Schuh ein zentraler Kritikpunkt: „In österreichischen Volksschulen muss Deutsch die zentrale gemeinsame Sprache sein. Wenn nun dort sogar teilweise auf Türkisch unterrichtet wird, ist das ein wesentlicher Grund, warum Integration nicht funktionieren kann“, so Schuh laut Heute.at.
29 Fragen an den Bildungsminister
Aus diesem Anlass richtete Schuh eine parlamentarische Anfrage mit 29 detaillierten Fragen an Wiederkehr. „Heute“ liegt die entsprechende Anfragebeantwortung des Ministers vor. Bereits einleitend muss Wiederkehr darin einräumen, dass seinem Haus zu diesem Thema „derzeit kein vollständiger Datenbestand vorliegt“ – an einer gesamthaften Erfassung werde gearbeitet.
354 Schulen, aber unbekannte Schülerzahl
Immerhin ist dem Ministerium die Gesamtzahl jener Schulen bekannt, die den Erstsprachenunterricht anbieten: Österreichweit sind es 354 Volks-, Mittel-, Sonder- und Polytechnische Schulen. Mit 262 Schulen liegt der Großteil davon erwartungsgemäß in Wien, gefolgt von Niederösterreich mit 36 und Oberösterreich mit 34 Schulen. Insgesamt unterrichteten an diesen Schulen im vergangenen Jahr 594 Lehrkräfte. Wie viele Schüler das Angebot tatsächlich nutzen, bleibt hingegen unbekannt: „Die angefragten Daten können nicht zentral zur Verfügung gestellt werden“, schreibt Wiederkehr in seiner Antwort.
Fast 50 Millionen Euro allein in Wien binnen drei Jahren
Deutlich detaillierter fällt die Antwort bei den Kosten aus. Im Schuljahr 2023/24 beliefen sich die Ausgaben für den Erstsprachenunterricht auf 23.268.060 Euro, 2024/25 stiegen sie auf 26.240.820 Euro, im vergangenen Schuljahr lagen sie bei 26.079.398 Euro. Die mit Abstand höchsten Kosten fallen dabei in Wien an – dort summierten sich die Ausgaben über die drei genannten Schuljahre auf fast 50 Millionen Euro.
FPÖ: „Integration in die falsche Richtung“
Für Schuh sind diese Zahlen ein klarer Beleg für strukturelle Fehlentwicklungen: „Der Bildungsminister fördert hier Parallelgesellschaften mit 26 Millionen Euro“, kritisiert der FPÖ-Abgeordnete. Problematisch sei vor allem, dass ein erheblicher Teil der teilnehmenden Schüler die österreichische Staatsbürgerschaft besitze – für ihn ein Beleg für einen „Integrations-Misserfolg des Systems“. Als konkretes Beispiel führt er eine Volksschule in Freistadt in Oberösterreich an: Dort würden 32 Schüler auf Türkisch unterrichtet, 24 davon – also 75 Prozent – seien österreichische Staatsbürger. „Unterricht auf Türkisch ist Integration in die falsche Richtung“, so Schuh.
Scharfe Schlussfolgerung der FPÖ
Der freiheitliche Mandatar zieht aus den Zahlen ein deutliches Fazit: „Wie passen massive Deutsch-Mängel mit der österreichischen Staatsbürgerschaft zusammen?“, fragt Schuh. Sein Resümee fällt entsprechend scharf aus: „Wir erleben hier den teuer erkauften Integrations-Misserfolg auf Kosten unserer Kinder und der Steuerzahler.“
Offene Fragen zur tatsächlichen Reichweite
Wichtig zur Einordnung bleibt: Ohne verlässliche Daten zur tatsächlichen Zahl der teilnehmenden Schüler lässt sich nicht abschließend beurteilen, wie repräsentativ das von Schuh genannte Beispiel aus Freistadt für die Gesamtsituation ist. Genau diese Datenlücke im eigenen Ministerium dürfte damit auch über die aktuelle Debatte hinaus zum politischen Streitpunkt werden.
Credits: BKA/Valentin Brauneis
Neueste Kommentare