Die Bundesregierung unternimmt einen neuen Anlauf zur Modernisierung der österreichischen Oberstufe. Durch ein Kurs-Modulsystem sollen Schüler künftig öfter selbst entscheiden, welche Fächer sie belegen und wo sie sich vertiefen wollen. Es ist bereits der dritte Versuch einer solchen Reform.
Was geplant ist: Flexiblere Schwerpunkte, weniger Sitzenbleiben
Wie oe24.at unter Berufung auf den Ministerratsbeschluss und ein APA-Gespräch mit SPÖ-Bildungssprecher Heinrich Himmer berichtet, sollen vor allem die AHS-Oberstufen mehr schulautonome Freiräume erhalten. Das Ziel: eine „flexible Schwerpunktbildung im Rahmen eines Kurs-Modulsystems.“ Konkret sollen Schüler nicht nur mehr Unterrichtsstunden nach eigenen Interessen gestalten, sondern bei Pflichtgegenständen zwischen einem Basismodul und einem Vertiefungsmodul wählen können. Ein komplettes Abwählen von Fächern wie Mathematik soll es laut Himmer nicht geben: „Es gibt einen etablierten Fächerkanon, der sollte auch grundsätzlich erhalten bleiben.“
Auch beim Sitzenbleiben sieht Himmer Reformbedarf. Die aktuellen Regeln der „Semestrierten Oberstufe“ seien zu kompliziert und hätten in der Praxis kaum etwas verändert. Er will „von diesem Sitzenbleiben in Jahresstufen“ wegkommen – ohne das Niveau abzusenken, wie er betont.
Warum das bisher so selten umgesetzt wird
Theoretisch gibt es das Modulsystem bereits. Wie oe24.at festhält, haben sich laut aktueller Schulformensystematik des Bildungsministeriums bislang jedoch nur 24 AHS und 72 BMHS für die „Semestrierte Oberstufe“ entschieden. Ein „echtes“ Modulsystem, bei dem Schüler Fächer weitgehend nach Interessen wählen, existiert laut Himmer nur an sehr wenigen Standorten. Der Grund: „Organisatorisch ist das Ganze derzeit relativ kompliziert.“
Bereits der dritte Anlauf – diesmal bis März 2027
Wie oe24.at festhält, wurden erste Schulversuche zur modularen Oberstufe in Österreich schon vor mehr als 20 Jahren gestartet. Eine flächendeckende Umsetzung scheiterte bereits zweimal – zuletzt vor vier Jahren. Nun setzt die Regierung auf mehr schulautonome Freiräume statt auf zentrale Vorgaben. Bis März 2027 sollen neben neuen rechtlichen Rahmenbedingungen auch pädagogische Konzepte, Lehrerfortbildungen und Unterstützungsangebote für die Schulstandorte bereitstehen.
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