„Sag deinem Chef, es reicht“: Polens klare Kante gegen Moskau

„Sag deinem Chef, es reicht“: Polens klare Kante gegen Moskau

Harte Worte in New York, Rekordbudget zu Hause: Polen setzt gegenüber Russland auf Abschreckung wie kaum ein anderes NATO-Land. Außenminister Radosław Sikorski lieferte dafür vor dem UNO-Sicherheitsrat den passenden Satz – adressiert an einen Mann, der gar nicht mehr im Raum war.

Die Botschaft an Lawrow

Bei einer Debatte des UNO-Sicherheitsrats am vergangenen Mittwoch wandte sich Sikorski direkt an seinen russischen Amtskollegen Sergej Lawrow, der den Saal laut Polsat News bereits verlassen hatte. „Hört auf, Russlands Zukunft zu zerstören. Sergej, ich weiß, dass du zuhörst. Sag deinem Chef, es reicht“, zitiert oe24 den polnischen Außenminister. Wladimir Putin versuche seit über zwölf Jahren, den Donbas zu erobern, und seit mehr als vier Jahren Kiew – ohne Erfolg. Mit Verweis auf die weit größere Wirtschaftsleistung Polens, Europas und der NATO fügte Sikorski hinzu: „Ihr könnt noch viele Menschen töten, aber ihr könnt nicht gewinnen.“

Tusk warnt vor hybriden Angriffen

Bereits zuvor hatte Ministerpräsident Donald Tusk laut oe24 vor „hybriden“ Bedrohungen wie Drohnen- und Raketenangriffen gewarnt. Die Sorge ist nicht abstrakt: Mitte September schossen NATO-Kampfjets eine aus Belarus kommende Drohne über Litauen ab. Und in einem kurzzeitig auf der Website der russischen Staatsagentur RIA Novosti veröffentlichten Gastbeitrag über eine mögliche „Spezialoperation“ gegen Litauen ging es laut dem polnischen Portal Interia auch mehrfach um Polen – der Text wurde nach wenigen Stunden gelöscht.

4,8 Prozent für das Militär

Die Rhetorik ist mit Geld unterlegt. Wie das „Handelsblatt“ berichtet, sieht Polen für 2026 Verteidigungsausgaben von 4,8 Prozent des Bruttoinlandsprodukts vor, umgerechnet 46,6 Milliarden Euro. Mehr als die Hälfte davon soll in neues Gerät fließen. Die NATO selbst kommt in ihrer Schätzung für 2026 laut „Polen heute“ auf 4,68 Prozent der Wirtschaftsleistung für die Kernverteidigung, damit liegt Polen im Bündnis weit vorne. Zum Vergleich: Vor dem russischen Großangriff auf die Ukraine waren es rund 2,2 Prozent.

Die Kehrseite der Aufrüstung

Billig ist das nicht. Die Verteidigungsausgaben sind einer der Treiber des hohen polnischen Haushaltsdefizits. Der Internationale Währungsfonds verweist zudem darauf, dass nach einer privaten Schätzung rund 80 Prozent der investiven Verteidigungsausgaben auf Importe entfielen, vor allem aus Südkorea und den USA. Warschau versucht deshalb zunehmend, Aufträge an heimische und mitteleuropäische Hersteller zu vergeben, damit mehr Wertschöpfung im eigenen Land bleibt.

Credits: Kremlin.ru, CC BY 4.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=123219163

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