Ein US-Testsatellit hat erstmals aus dem All vermessen, wie gravierend die GPS-Störungen über Europa wirklich sind. Die Daten überraschten selbst die Forscher – und deuten auf russische Militärsatelliten als Quelle.
Was Pulsar-0 gemessen hat
Der experimentelle Satellit Pulsar-0 des kalifornischen Unternehmens Xona Space Systems hat bei Testflügen in rund 500 Kilometern Höhe ein klares Muster entdeckt, wie t-online, heise.de und deskmodder.de unter Berufung auf Space.com berichten. Über Nordamerika blieb das GPS-Signal stabil. Über Europa und dem Nahen Osten brach es hingegen dramatisch ein. In den am stärksten betroffenen Gebieten – von Frankreich im Westen bis an die Grenzen Pakistans im Osten – sank die Signalstärke von 40 auf teils nur noch 10 Dezibel-Hertz: zu schwach für zuverlässige GPS-Nutzung. „Wir haben sofort gesehen: Da stimmt etwas nicht“, sagte Xona-Mitgründer Kaz Gunning gegenüber Space.com. Das Ausmaß habe das erwartete Maß deutlich übertroffen.
Russische Frühwarnsatelliten als Verursacher
Parallel dazu haben US-Forscher um den GPS-Experten Todd Humphreys von der University of Texas in einer Vorabstudie – die noch nicht von unabhängigen Fachleuten begutachtet wurde – die Quelle dieser Störungen im All identifiziert, wie blogspan.net und heute.at berichten. Ausgewertet wurden Daten von 165 Bodenstationen im Zeitraum 2019 bis April 2026. An rund 75 Tagen brachen GPS, das europäische Galileo und das chinesische BeiDou gleichzeitig ein. Über die minimale Zeitverzögerung, mit der die kurzen Störimpulse an verschiedenen Empfangsstationen ankamen, gelang die Triangulation der Quelle: In jedem Fall befand sich an der ermittelten Position der Satellit Kosmos 2546 oder eines seiner fünf Geschwister – Teil der russischen EKS-Konstellation, die eigentlich zur Frühwarnung vor Interkontinentalraketen dient.
Auffällig: Die Störungen traten laut heute.at nur an Arbeitstagen und zu europäischen Bürozeiten auf.
Absicht oder Kommunikation?
Über die Hintergründe ist sich die Fachwelt nicht einig. Humphreys hält die Impulse für absichtliche Tests, wie oe24 berichtet: „Ich neige dazu zu glauben, dass es sich um einen regelmäßigen Test einer Fähigkeit handelt, die im Ernstfall sehr verheerende Folgen hätte.“ Ramsey Faragher vom Royal Institute of Navigation in London warnt, ein Sender in der Umlaufbahn könne „jeden Tag gezielt einen ganzen Kontinent stören“ – was klassische Bodenstörer nie könnten.
Demgegenüber vertritt Richard Bowden vom Technologieunternehmen GMV laut oe24 eine alternative Erklärung: „Es wäre eher merkwürdiges Verhalten, sowas ständig zu testen. Unsere alternative Theorie lautet, dass es sich bei diesen Signalen tatsächlich um sehr kurze, sehr knappe und sehr spezifische Kommunikationsnachrichten handeln könnte.“ Ob die Störungen also gezielt oder unbeabsichtigte Nebenwirkungen russischer Satellitenkommunikation sind, bleibt wissenschaftlich umstritten.
Kritische Infrastruktur betroffen
Die Reichweite der Störungen geht weit über Navigationsprobleme hinaus. Wie deskmodder.de erläutert, liefern GPS und Galileo nicht nur Positionsdaten, sondern auch extrem präzise Zeitsignale – eine kritische Grundlage für Telekommunikationsnetze, Stromnetze, Finanztransaktionen und Industrieanlagen. Wie oe24 ergänzt, sind auch Satelliten im niedrigen Erdorbit wie das Starlink-Netzwerk auf GPS angewiesen.
Gegenmaßnahmen geplant
Als Antwort darauf baut Xona Space Systems eine eigene Navigations-Konstellation aus rund 300 Satelliten auf, die in niedrigerer Umlaufbahn fliegen sollen und dadurch ein bis zu 100-mal stärkeres Signal liefern – schwerer zu stören als das bestehende GPS, wie t-online und heise.de berichten. Im Oktober sollen sechs weitere Satelliten starten, für 2027 ist ein erster eingeschränkter Dienst geplant.
Credits: Von Kremlin.ru, CC BY 4.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=123219163
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