Das Frauenbudget steigt im Doppelbudget 2027/28 deutlich – und das trotz Sparpaket. Wohin das Geld fließen soll.
Die Zahlen im Detail
Wie oe24 berichtet, steigt das Frauenbudget im Doppelbudget 2027/28 um 20 Millionen Euro beziehungsweise 61 Prozent auf 55 Millionen Euro jährlich. Das ist demnach der höchste Stand in der Geschichte Österreichs – und das trotz eines 2,5-Milliarden-Euro-Sparpakets.
Die Entwicklung der vergangenen Jahre zeigt den Sprung deutlich: Während das Frauenbudget 2023 noch bei 24,3 Millionen Euro lag, stieg es 2024 und 2025 auf jeweils 33,6 Millionen Euro und 2026 auf 34,1 Millionen Euro. Für 2027 sind nun 55,29 Millionen Euro und für 2028 55,39 Millionen Euro vorgesehen, wie aus den von oe24 veröffentlichten Zahlen hervorgeht.
Wohin das Geld konkret fließt
Wie oe24 unter Berufung auf Frauenministerin Eva-Maria Holzleitner (SPÖ) schildert, fließt der größte Teil des Budget-Anstiegs direkt in die Frauen- und Mädchenberatungsstellen. Die wohnortnahen Anlaufstellen leisten laut oe24 jährlich rund 200.000 Beratungen.
Weitere drei Millionen Euro stehen demnach mit der Verlängerung der 15a-Vereinbarung mit den Bundesländern für Schutzunterkünfte wie Frauenhäuser, für Krisenintervention und juristische Prozessbegleitung zur Verfügung. Zusätzliche 1,75 Millionen Euro, insgesamt also rund 13,9 Millionen Euro, sind laut oe24 für Gewaltschutzzentren vorgesehen, eine Million Euro für Gewaltambulanzen.
Auch kleinere, aber thematisch zugespitzte Projekte werden bedacht: Wie oe24 berichtet, wird das Projekt StoP (Stadtteile ohne Partnergewalt) künftig aus dem Frauenbudget mit 150.000 Euro unterstützt. Digitale Gewalt wird ebenfalls adressiert, etwa durch die Finanzierung der Opferschutzstelle ZARA mit 150.000 Euro durch das Frauenministerium. Diese Förderung hat eine Vorgeschichte: Wie ORF.at im April 2026 berichtete, drohte ZARA zuvor das Aus, nachdem das Familienministerium unter Claudia Bauer (ÖVP) die langjährige Förderung aus „budgetären Gründen“ gestrichen hatte. Daraufhin sicherten Vizekanzler und Medienminister Andreas Babler sowie Frauenministerin Holzleitner gemeinsam rund 300.000 Euro für 2026 zu – je 150.000 Euro aus ihren beiden Ressorts, wie profil unter Berufung auf involvierte Kreise meldete.
Gleichbehandlung und neue Datengrundlage
Für die Gleichbehandlungsanwaltschaft und die Gleichbehandlungskommission stehen laut oe24 rund neun Millionen Euro zur Verfügung. Zudem hat Holzleitner einen Frauenbericht 2028 in Auftrag gegeben – damit gibt es laut oe24 erstmals seit 2010 wieder eine geschlechtsdifferenzierte Bestandsaufnahme.
Die Begründung der Ministerin
Wie oe24 Holzleitner zitiert, erklärte die Frauenministerin: „Ein Budget zeigt, was einer Regierung wirklich wichtig ist. Dass wir das Frauenbudget mitten im Sparkurs um über 60 Prozent erhöhen, ist eine bewusste Entscheidung: Wir lassen Frauen gerade in unsicheren Zeiten nicht allein.“
EINORDNUNG DER REDAKTION
Die Erhöhung fällt insofern auf, als sie gegen den allgemeinen Budgettrend läuft: Während andere Ressorts im Zuge des Sparpakets Kürzungen hinnehmen müssen, wächst das Frauenbudget um fast zwei Drittel. Bemerkenswert ist dabei auch die Reparaturfunktion, die das Frauenministerium übernimmt – etwa bei ZARA, wo eine Streichung des Familienministeriums kurzfristig durch ein anderes Ressort aufgefangen wurde. Das zeigt, wie unterschiedlich einzelne Ministerien innerhalb derselben Regierung beim Sparen vorgehen, und wirft die Frage auf, wie nachhaltig solche Einzelinterventionen langfristig sind, wenn die zugrunde liegende Förderlücke bestehen bleibt.
Credits: BKA Christopher Dunker
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