Rekord bei Schuldenberatungen: 21.599 Erstklienten — und eine drohende Verschärfung

Rekord bei Schuldenberatungen: 21.599 Erstklienten — und eine drohende Verschärfung

Die Zahl der Menschen, die erstmals eine Schuldenberatung aufsuchen, hat in Österreich den höchsten Stand seit 2011 erreicht. ASB-Chef Clemens Mitterlehner warnt vor einer strukturellen Verschärfung ab Juli — und fordert politisches Handeln.

21.599 Erstklienten — so viele wie seit Jahren nicht

Wie oe24 unter Berufung auf den aktuellen Schuldenreport des Verbandes der Schuldenberatungen ASB berichtet, suchten im Jahr 2025 insgesamt 21.599 Menschen erstmals eine Schuldenberatung in Österreich auf. Das ist gemeinsam mit den beiden Vorjahren der höchste Wert seit 2011. Insgesamt unterstützten die 67 österreichischen Schuldnerberatungen 61.221 Personen. Die durchschnittliche bereinigte Verschuldung lag bei 56.432 Euro pro Person.

„Derzeit kämpfen Menschen einfach mit den Ausgaben des täglichen Lebens“, sagte ASB-Chef Mitterlehner bei einer Pressekonferenz in Wien.

Jobverlust als häufigster Auslöser

Der häufigste Grund für Überschuldung war laut Schuldenreport auch 2025 der Verlust des Arbeitsplatzes beziehungsweise eine Verschlechterung des Einkommens — 36,4 Prozent der Fälle. Dahinter folgen mangelnde Finanzbildung (20,1 Prozent) und ehemalige Selbstständigkeit (19,1 Prozent). Mehr als ein Drittel der Klienten ist zum Zeitpunkt der Beratung arbeitslos.

Wie oe24 festhält, stünden Arbeitslosen im Schnitt nur noch 55 Prozent ihres früheren Einkommens zur Verfügung. „Sehr, sehr viele arbeitslose Menschen leben unter der Armutsgefährdungsschwelle“, so Mitterlehner.

Ab Juli droht eine Verschärfung bei Privatinsolvenzen

Besonders dringend ist laut Mitterlehner ein gesetzliches Problem, das im Juli schlagend wird: Eine Regelung, die eine dreijährige Entschuldungsdauer für Privatpersonen ermöglicht, läuft dann aus. Wie oe24 berichtet, würden Verbraucher danach länger für eine Entschuldung brauchen als Unternehmer — ein Umstand, den Mitterlehner als „nicht nur himmelschreiend ungerecht, sondern auch verfassungsrechtlich höchst bedenklich“ bezeichnet. Besonders betroffen wären Frauen, die häufig als Bürginnen auftreten.

Im Jahr 2025 wurden 8.768 Privatkonkurse eröffnet, rund 70 Prozent davon von einer Schuldenberatung begleitet.

Bankenabgabe als Finanzierungsvorschlag

Mitterlehner fordert außerdem, die Gläubigerseite stärker in die Verantwortung zu nehmen. Als konkreten Vorschlag brachte er laut oe24 eine Art Bankenabgabe von 0,1 Prozent der Kreditsumme ins Spiel — damit könnte die Schuldenberatung vollständig finanziert und die öffentliche Hand entlastet werden.

Konsumentenschutz-Staatssekretärin Ulrike Königsberger-Ludwig (SPÖ) betonte bei der Pressekonferenz die Notwendigkeit eines kostenfreien und niederschwelligen Zugangs zur Beratung. Laut einer Umfrage sehen 90 Prozent der Klienten nach der Beratung wieder einen Ausweg — 82 Prozent berichten von Verbesserungen im familiären und sozialen Bereich.

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