Ein Kreuzfahrtschiff, das eigentlich für Abenteuer und Naturerlebnisse bekannt ist, steht nun im Zentrum eines tödlichen Hantavirus-Ausbruchs. Die „Hondius“, ein niederländisches Expeditionsschiff, wurde nach mehreren Todesfällen und Infektionen vor der Küste von Kap Verde isoliert. Doch die Vorwürfe gegen die Crew und den Betreiber Oceanwide Expeditions wiegen schwer.
Todesfälle und Infektionen: Was bisher geschah
Am 11. April starb ein 70-jähriger niederländischer Passagier an Bord des Schiffes. Seine Ehefrau, die ihn auf der Reise begleitete, erlag wenige Tage später in einem Krankenhaus in Johannesburg den Folgen des Virus. Ein weiterer deutscher Passagier verstarb ebenfalls. Laut der Weltgesundheitsorganisation (WHO) wurden bisher fünf Fälle bestätigt, darunter zwei Crewmitglieder, die dringend medizinische Hilfe benötigen. Der britische Arzt an Bord ist ebenfalls erkrankt.
Wie die BBC berichtet, wurde das Virus bei zwei der Verstorbenen eindeutig nachgewiesen. Die Symptome reichen von grippeähnlichen Beschwerden bis hin zu schweren Atemwegserkrankungen. Der Hantavirus-Stamm, der auf der „Hondius“ identifiziert wurde, ist der sogenannte Andes-Stamm, der in seltenen Fällen von Mensch zu Mensch übertragen werden kann.
Kritik an der Crew: „Sorglosigkeit trotz Todesfällen“
Der türkische Videoblogger Ruhi Cenet, der die Reise dokumentierte, erhebt schwere Vorwürfe gegen die Crew. Im Gespräch mit der Nachrichtenagentur AFP schilderte er, dass der Alltag an Bord trotz des ersten Todesfalls unverändert weiterging. „Wir aßen weiterhin gemeinsam am Buffet, ohne Masken oder Vorsichtsmaßnahmen“, so Cenet. Erst nach weiteren Erkrankungen wurden die Passagiere angewiesen, in ihren Kabinen zu bleiben.
Die Associated Press berichtet, dass die Crew zunächst keine ernsthaften Maßnahmen ergriff, obwohl die Symptome des Virus bekannt waren. Erst nach dem dritten Todesfall wurden strengere Hygieneprotokolle eingeführt.
Kap Verde verweigert Anlegen – Spanien als Hoffnung
Das Schiff, das ursprünglich in Kap Verde anlegen sollte, wurde von den Behörden abgewiesen. Wie NBC News berichtet, plant Oceanwide Expeditions nun, die „Hondius“ zu den Kanarischen Inseln zu bringen, wo eine epidemiologische Untersuchung und Desinfektion durchgeführt werden könnten. Die spanischen Behörden haben jedoch noch keine endgültige Entscheidung getroffen.
WHO warnt vor Panik
Die WHO betont, dass das Risiko für die Allgemeinheit gering sei. „Hantavirus-Infektionen sind selten und schwer übertragbar“, erklärte Dr. Maria Van Kerkhove von der WHO. Dennoch wird untersucht, ob der Virus durch Kontakt mit Wildtieren während eines Landgangs oder bereits vor der Abreise in Argentinien eingeschleppt wurde.
Forderungen nach besseren Sicherheitsstandards
Die Ereignisse werfen ein Schlaglicht auf die Sicherheitsvorkehrungen auf Kreuzfahrtschiffen. Oceanwide Expeditions steht in der Kritik, nicht ausreichend auf solche Notfälle vorbereitet gewesen zu sein. „Für den Preis von 8.500 Euro pro Person hätten wir mehr erwartet“, so ein Passagier gegenüber der Guardian.
Quellen: oe24.at, BBC, AP News, The Guardian, NBC News
Credits: APA
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