Eiszeit im Luxus-Wohnbau: Eigentümer rüsten sich für den Kampf gegen Soravia

Eiszeit im Luxus-Wohnbau: Eigentümer rüsten sich für den Kampf gegen Soravia

Wenn Sie sich eine teure Wohnung in einem Wiener Prestige-Projekt kaufen, erwarten Sie keine bösen Überraschungen bei der Heizkostenabrechnung. Doch genau das passiert gerade in den bekannten Triiiple-Türmen am Donaukanal. Der Zoff um extrem hohe Energiekosten eskaliert nun völlig. Rund 200 Wohnungseigentümer ziehen gegen den Immobilienriesen Soravia vor Gericht, da die Verhandlungen über eine friedliche Lösung endgültig geplatzt sind.

Zehn Millionen Euro Mehrkosten für die Käufer

Die Ausgangslage ist klar. Den Käufern der exklusiven Wohnungen wurde vor Baubeginn ein Anschluss an die Fernwärme Wien vertraglich zugesichert. Doch wie Die Presse berichtet, setzte der Soravia-Konzern stattdessen kurzerhand auf eine hauseigene Flusswärmepumpe. Betrieben wird diese Anlage von einer Soravia-Tochtergesellschaft. Die Bewohner erfuhren von diesem Wechsel erst im Nachhinein.

Das große Problem für die Eigentümer sind die horrenden Fixkosten. Diese verbrauchsunabhängigen Grundpreise für Wärme und Kühlung liegen deutlich über dem Niveau vergleichbarer Wohnhochhäuser. Über die Mindestvertragslaufzeit von 20 Jahren summieren sich die Mehrkosten für die Käufer laut eigenen Angaben auf unfassbare zehn Millionen Euro.

Heimliche Versorgung des Nachbarturms

Als wäre das nicht genug, gibt es noch einen weiteren großen Streitpunkt. Die teure Anlage im Keller der Triiiple-Türme versorgt nämlich auch den benachbarten Austro Tower mit Energie. Dort sitzen prominente Mieter wie die Austro Control, die Asfinag und auch die Soravia-Zentrale selbst.

Wie wien.ORF.at berichtet, wurden die Verträge für diese Mitversorgung einfach intern über die konzerneigene Immobilienverwaltung abgeschlossen. Die Wohnungseigentümer, die die Anlage über ihre Kosten mitfinanzieren, wurden dafür nie um Erlaubnis gefragt. Sie zogen deshalb auf Unterlassung vor Gericht und bekamen in erster Instanz recht. Auch meinbezirk.at meldet, dass der Soravia-Konzern nach diesen Urteilen nun unter enormem Zugzwang steht, eine rechtskonforme Situation zu schaffen.

Verhandlungen scheitern in letzter Sekunde

Lange sah es so aus, als könnten sich beide Seiten doch noch außergerichtlich einigen. Sogar Soravia-Chef Erwin Soravia saß persönlich am Verhandlungstisch. Die Anwälte der Kläger sprachen bereits von einer Einigung bei den Grundpreisen und einer besseren rechtlichen Absicherung.

Doch dann folgte das abrupte Ende: Wie derStandard.at berichtet, scheiterten die Gespräche plötzlich an neuen Forderungen des Soravia-Konzerns. Die Wohnungseigentümer brachen die Verhandlungen daraufhin ab und setzen nun wieder voll auf den Rechtsweg.

Rückenwind bekommen die verärgerten Bewohner durch ein weiteres wichtiges Urteil. Wie oe24.at berichtet, erklärte der Oberste Gerichtshof erst Anfang des Jahres 43 Klauseln in den Verträgen wegen grober Benachteiligung für unzulässig. Sollten die Eigentümer auch mit ihrer Unterlassungsklage in letzter Instanz siegen, droht dem Austro Tower ein bitterkaltes Szenario. Die Kläger könnten dem benachbarten Büro-Riesen dann theoretisch einfach die Heizung und Kühlung abdrehen.

Quellen: oe24.at, wien.ORF.at, Die Presse, meinbezirk.at, derStandard.at
Credits: Carinzia03 – Own work, Wikipedia

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