Pflicht-Karenz 50:50: Mehrheit der Österreicher dagegen – ÖVP auch

Pflicht-Karenz 50:50: Mehrheit der Österreicher dagegen – ÖVP auch

Die SPÖ will Väter per Gesetz in die Karenz zwingen – zur Hälfte. Eine aktuelle Umfrage zeigt: Die Mehrheit der Österreicher lehnt das ab. Und die ÖVP macht unmissverständlich klar, wo sie steht.

Österreich ist EU-Schlusslicht bei der Väterkarenz

Die Ausgangslage ist eindeutig. Wie heute.at unter Berufung auf Daten des Familienministeriums berichtet, nehmen Mütter in Österreich nach der ersten Geburt durchschnittlich 416 Tage bezahlte Elternkarenz in Anspruch – Väter gerade einmal neun Tage. Nur jeder sechste Vater – rund 16,7 Prozent – geht überhaupt in Elternkarenz. Damit liegt Österreich im EU-Vergleich am letzten Platz.

Die SPÖ will das ändern. Frauensprecherin Sabine Schatz formulierte das Ziel laut OTS-Aussendung klar: „Wer den Großteil der Sorgearbeit trägt, hat ein höheres Armutsrisiko im Alter. Deshalb ist eine faire Aufteilung der Karenzzeit auch eine Frage der finanziellen Sicherheit für Frauen. Unser Ziel muss ganz klar sein: Halbe-Halbe in allen Lebensbereichen.“

Umfrage: 57 Prozent gegen den Zwang

Wie heute.at unter Berufung auf eine aktuelle Umfrage berichtet, lehnt eine klare Mehrheit von 57 Prozent der Österreicher eine verpflichtende 50:50-Aufteilung der Karenz ab. Nur rund ein Drittel befürwortet das Modell. Die Fragestellung lautete: „Elternkarenz und das Kinderbetreuungsgeld sollen zukünftig verpflichtend je zur Hälfte zwischen beiden Eltern aufgeteilt werden. Nicht konsumierte Monate sollen verfallen.“ Damit war klar: Hier geht es um Zwang, nicht um Anreize.

ÖVP gegen Pflicht – für Anreize

Die ÖVP stemmt sich laut heute.at klar gegen eine gesetzliche Verpflichtung. Das Prinzip der freien Entscheidung für Familien stehe für die Volkspartei außer Diskussion. Stattdessen setzt die ÖVP auf finanzielle Anreize: Der bereits bestehende Partnerschaftsbonus von 500 Euro pro Elternteil greift, wenn sich beide annähernd gleichmäßig – im Verhältnis 50:50 bis 60:40 – die Karenz aufteilen.

Seit November 2023 gilt zudem eine neue Regel: Die volle Karenzdauer von 24 Monaten kann nur noch in Anspruch genommen werden, wenn auch der Vater mindestens zwei Monate Karenz konsumiert – eine erste indirekte Anreizstruktur, die bereits ohne Zwang auskommt.

SPÖ: Zwischen Wunsch und Wirklichkeit klafft eine Lücke

SPÖ-Familiensprecherin Schatz räumte laut OTS-Aussendung selbst ein, dass zwischen dem Wunsch nach partnerschaftlicher Aufteilung und dem, was im Alltag tatsächlich gelebt wird, „oft noch eine Lücke klafft.“ Väterbeteiligung sei keine Frage, die sich auf den Karenzbegriff reduzieren lasse – sie sei eine Frage der gelebten Partnerschaft über viele Jahre.

Credits: APA

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