In einem seltenen öffentlichen Auftritt hat sich der gesundheitlich angeschlagene Papst Franziskus am Sonntag überraschend den Gläubigen gezeigt. Am Ende einer Messe mit 20.000 Menschen wurde das katholische Kirchenoberhaupt im Rollstuhl aus dem Vatikan gebracht.
Trotz seiner geschwächten Verfassung begrüßte der Papst (88) die Anwesenden mit leiser, hörbar angestrengter Stimme: „Einen schönen Sonntag für alle. Danke“, sagte er auf Italienisch.
Bilder und Videoaufnahmen zeigten den Papst sichtlich erschöpft – ihm wurde über Nasenkanülen Sauerstoff zugeführt.
Messe für Kranke – Predigt von Erzbischof verlesen
Zuvor hatte Erzbischof Rino Fisichella, Pro-Präfekt des Dikasteriums für die Evangelisierung, die Predigt des Papstes verlesen. In bewegenden Worten wandte sich Franziskus an kranke Menschen weltweit: „Mit euch, liebe kranke Brüder und Schwestern, teile ich in diesem Moment meines Lebens vieles: die Erfahrung der Krankheit, sich schwach zu fühlen, in vielen Dingen von anderen abhängig zu sein, Unterstützung zu benötigen.“
Er beschrieb Krankheit als eine Lebensschule, in der man täglich lerne, „zu lieben und sich lieben zu lassen“. Die Predigt ist Teil der liturgischen Feiern im Rahmen des Heiligen Jahres 2025, dessen Auftakt mit der Öffnung der Heiligen Pforte im Petersdom am 24. Dezember 2024 erfolgte. Das Jubiläumsjahr wird traditionell alle 25 Jahre gefeiert und steht diesmal unter dem Zeichen der Hoffnung und Solidarität.
Rückkehr nach schwerer Lungenentzündung
Papst Franziskus war erst vor zwei Wochen nach 38 Tagen stationärer Behandlung wegen einer schweren Lungenentzündung aus einem Krankenhaus in Rom entlassen worden. Seitdem hatte er sich weitgehend aus der Öffentlichkeit zurückgezogen und seine öffentlichen Auftritte stark eingeschränkt. Die gestrige Messe war die erste größere Veranstaltung, bei der er sich – wenn auch eingeschränkt – persönlich zeigte.
Mahnung zum Frieden und Appell an die Menschlichkeit
In einem zusätzlich übermittelten schriftlichen Text zum Angelus-Gebet gedachte Franziskus des oft unterschätzten Leids von Ärzten und Pflegekräften, die nicht nur körperlich, sondern auch psychisch unter großem Druck stünden – nicht selten seien sie auch Gewalt ausgesetzt. Er rief erneut zum Gebet für den Frieden in zahlreichen Krisenregionen auf, darunter die Ukraine, Gaza, Sudan, Südsudan, die Demokratische Republik Kongo, Myanmar und Haiti.
Der berührende Auftritt des Papstes wurde von vielen Gläubigen als Zeichen der Stärke und Menschlichkeit wahrgenommen – und als ein Appell, auch in Zeiten der Schwäche die Würde und Verbundenheit mit den Bedürftigsten nicht zu verlieren.
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