Paketsteuer: Studie warnt vor 2.400 Jobs weniger – Handel, AK und Rechnungshof laufen Sturm

Paketsteuer: Studie warnt vor 2.400 Jobs weniger – Handel, AK und Rechnungshof laufen Sturm

Zwei Euro pro Paket – so einfach klingt die Idee. Die Konsequenzen könnten allerdings weit teurer werden: Nicht nur für den Handel, sondern auch für Tausende Beschäftigte in Österreich.

Was die Paketsteuer ist – und wozu sie dienen soll

Wie EY Österreich berichtete, hat die Bundesregierung am 11. Mai 2026 einen Gesetzesentwurf zur Einführung einer Paketsteuer in Begutachtung geschickt. Demnach soll ab 1. Oktober 2026 eine Abgabe von zwei Euro pro zugestelltem Paket für Versandhändler mit mehr als 100 Millionen Euro österreichischem Jahresumsatz gelten. Wie das Parlament Österreich berichtete, soll die Maßnahme die gleichzeitige Mehrwertsteuersenkung auf ausgewählte Grundnahrungsmittel ab 1. Juli gegenzufinanzieren.

Studie rechnet mit 2.400 Jobs weniger

Die wirtschaftlichen Folgen sind laut einer aktuellen Untersuchung gravierend. Wie oe24 berichtete, ließ Versandhändler Otto Austria bei der Gesellschaft für Angewandte Wirtschaftsforschung (GAW) ein Gutachten erstellen. Das Ergebnis ist alarmierend: Zwar generiere die Abgabe laut Finanzministerium jährliche Mehreinnahmen von rund 280 Millionen Euro – gleichzeitig führe der damit verbundene Kaufkraftverlust aber zu einem Rückgang des Bruttoregionalprodukts von bis zu 299 Millionen Euro pro Jahr. Die Bruttowertschöpfung sinke um bis zu 238 Millionen Euro jährlich, verbunden mit Beschäftigungsverlusten von bis zu 1.900 Vollzeitäquivalenten beziehungsweise 2.400 Arbeitsplätzen.

Handel, AK und ÖGB schlagen Alarm

Der Unmut ist breit. Wie oe24 berichtete, warnten die Arbeiterkammer (AK), der Handelsverband sowie das WKO-Landesgremium für Versand- und Internethandel in Oberösterreich in ihren Stellungnahmen eindringlich vor den Folgen. Die AK befürchtet, dass die Steuer nicht bei den großen Plattformen hängenbleibt, sondern als Durchlaufposten an kleine Händler und letztlich an die Konsumenten weitergegeben wird. Das WKO-Gremium warnt, dass tausende heimische Kleinunternehmen getroffen würden, die über Marktplätze wie Amazon oder eBay verkaufen.

Handelsverband-Geschäftsführer Rainer Will bringt es laut Trending Topics auf den Punkt: Asiatische Plattformen wie Temu oder Shein könnten den Schwellenwert durch ihre Unternehmensstrukturen umgehen, während rechtskonforme österreichische und europäische Händler die volle Last trügen. Auch beim ÖGB herrscht keine Einigkeit: Wie vienna.at berichtete, sorgt sich Postgewerkschafter Richard Köhler um Jobs bei der Post AG – ob durch die Paketsteuer Stellen im stationären Handel gesichert werden könnten, sei „mehr als fraglich“.

Otto kündigt Klage an – Dorda sieht Verfassungsbruch

Besonders laut ist Otto-Austria-Geschäftsführer Harald Gutschi. Wie oe24 berichtete, ließ er durch Dorda Rechtsanwälte ein eigenes Gutachten erstellen, das den Entwurf als „mehrfach verfassungs- und unionsrechtswidrig“ einstuft. Gutschi selbst kündigte an, rechtlich vorzugehen und beim Verfassungsgerichtshof sowie beim Europäischen Gerichtshof zu klagen. Er sei „verärgert ohne Ende und sprachlos von der Politik.“

Rechnungshof übt ebenfalls scharfe Kritik

Auch das oberste Kontrollgremium der Republik steht nicht hinter dem Plan. Wie oe24 berichtete, hatte der Rechnungshof bereits vergangene Woche mehrere Schwachstellen aufgezeigt: Die Gegenfinanzierung erfolge nur zum Teil, neue Melde- und Zahlungsverpflichtungen für den Handel sowie ein hoher Verwaltungsaufwand für die Finanzverwaltung kämen hinzu – verbunden mit dem Risiko einer steigenden Bundesverschuldung.

Die Begutachtungsfrist endete heute, dem 26. Mai. Bis Dienstagmittag gingen laut oe24 20 institutionelle Stellungnahmen und 54 Statements von Privatpersonen auf der Parlaments-Website ein. Ob die Regierung den Entwurf angesichts des massiven Gegenwinds noch überarbeitet, ist offen.

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