Der Machtwechsel in Budapest hat unmittelbare Folgen für den innenpolitischen Schlagabtausch in Wien. Kaum war Orbáns Niederlage besiegelt, ging die ÖVP in die Offensive — mit direktem Beschuss der FPÖ.
Historischer Erdrutschsieg in Budapest
Am 12. April 2026 ist in Ungarn Geschichte geschrieben worden. Wie die Wahlbehörde des Landes mitteilte, erreichte die konservative, proeuropäische Tisza-Partei unter Oppositionsführer Péter Magyar nach Auszählung von mehr als 97 Prozent der Stimmen eine Zweidrittelmehrheit im Parlament. Wie der Tagesspiegel berichtet, entfielen auf Magyar 53,6 Prozent der Stimmen und 138 der 199 Mandate. Fidesz stürzte auf nur noch 55 Sitze ab.
Wie die Bundeszentrale für politische Bildung berichtet, lag die Wahlbeteiligung bei rund 78 Prozent — ein historischer Höchststand. Magyar feierte seinen Sieg vor Zehntausenden Anhängern am Donauufer in Budapest. Orbán räumte seine Niederlage noch am Wahlabend ein: Das Ergebnis sei zwar schmerzhaft, aber eindeutig, sagte er laut t-online vor Anhängern in Budapest.
ÖVP schlägt sofort zu
Die Reaktion aus Wien ließ nicht lange auf sich warten. Wie oe24 berichtet, erklärte ÖVP-Generalsekretär Nico Marchetti via Aussendung, der Versuch von FPÖ-Chef Herbert Kickl, sein „großes Vorbild Viktor Orbán im Rahmen eines globalen Schulterschlusses der Rechtsextremen an der Macht zu halten“, sei gescheitert. Marchetti sprach von einer „krachenden Niederlage für Orbáns blaue Wahlkampfhelfer in Österreich“ und zog eine direkte Linie von Orbán zu Trump und Putin: Dass Orbán nach seiner offen zur Schau getragenen Solidarisierung mit beiden abgewählt worden sei, sollte der FPÖ zu denken geben, so Marchetti.
Kickl lobt Orbáns „historische Verdienste“
FPÖ-Chef Herbert Kickl reagierte ebenfalls per Aussendung — und in einem deutlich anderen Ton. Wie oe24 berichtet, betonte Kickl, das ungarische Volk habe gesprochen und auch Wahlverlierer Orbán habe das Ergebnis akzeptiert. Orbáns „historische Verdienste in Sachen Grenzschutz, dem Bemühen um Frieden zwischen Russland und der Ukraine, dem Kampf gegen den EU-Zentralismus“ blieben ungebrochen, erklärte Kickl.
Ein Ergebnis mit europaweiter Bedeutung
Der Machtwechsel in Budapest hat weit über Österreich hinaus Wellen geschlagen. Wie das ZDF berichtet, schrieb EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen noch am Wahlabend, Ungarn habe sich für die EU entschieden. Magyar selbst hatte im Wahlkampf angekündigt, Ungarns Westbindung wiederherzustellen und die seit Jahren blockierten EU-Gelder — rund 17 Milliarden Euro — wieder fließen zu lassen, wie weekend.at berichtet. Russland zeigte sich wenig erfreut: Kremlsprecher Dmitri Peskow ließ laut t-online verlauten, Ungarn sei als „unfreundliches Land“ eingestuft worden.
Credits: APA
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