Österreichs Gefängnisse: Überbelegt, unterbesetzt, auf Rekordkurs bei Übergriffen

Österreichs Gefängnisse: Überbelegt, unterbesetzt, auf Rekordkurs bei Übergriffen

Eine aktuelle parlamentarische Anfragebeantwortung von Justizministerin Anna Sporrer (SPÖ) an die FPÖ zeichnet ein alarmierendes Bild des heimischen Strafvollzugs: zu viele Häftlinge, zu wenig Personal – und eine Zahl an Übergriffen, die auf dem besten Weg zu einem neuen Rekord ist.

Landesweit deutlich überbelegt

Aktuell befinden sich 9.181 Personen direkt in österreichischen Gefängnissen. Rechnet man Insassen im elektronisch überwachten Hausarrest sowie in externen psychiatrischen Anstalten hinzu, verwaltet die Justiz insgesamt 10.219 Personen. Laut Sporrer sind die Haftplätze damit zu 109,15 Prozent ausgelastet – deutlich mehr, als vorgesehen ist.

Josefstadt fast zur Hälfte überbelegt

Besonders dramatisch ist die Lage in Österreichs größter Haftanstalt, der Justizanstalt Wien-Josefstadt: Statt der vorgesehenen 754 Personen sitzen dort aktuell 1.122 Menschen ein – eine Auslastung von 149 Prozent, also knapp 50 Prozent mehr Insassen als eigentlich geplant. Die Folgen sind laut Bericht überfüllte Zellen, weniger Hofgang sowie längere Schließzeiten am Abend und an Wochenenden. Dahinter folgen die Haftanstalten Wien-Simmering mit 127 Prozent, Feldkirch mit 121 Prozent sowie Innsbruck mit 117 Prozent Auslastung – Letztere ist aktuell auch deshalb in den Schlagzeilen, weil dort der frühere Immobilienunternehmer René Benko einsitzt.

Personalmangel bleibt hartnäckig

Der Überbelegung steht ein anhaltender Personalmangel gegenüber: Zum Stichtag 1. Juli 2026 waren nur 95 Prozent der Planstellen besetzt – gegenüber 93 Prozent im Jahr 2020 nur eine minimale Verbesserung. Zwar kamen seit 2020 insgesamt 1.352 neue Justizwachebedienstete dazu, gleichzeitig schieden aber 1.192 aus dem Dienst aus. Die Folge zeigt sich deutlich bei den Überstunden: 2025 wurden insgesamt 286.000 Überstunden geleistet, davon allein 51.000 in der Josefstadt.

Vier Übergriffe pro Tag

Die angespannte Personal- und Belegungssituation schlägt sich auch in der Zahl der Übergriffe nieder. Im ersten Halbjahr 2026 registrierte Sporrer 369 Übergriffe, die zu Strafverfahren führten – setzt sich dieser Trend fort, könnte der bisherige Fünfjahresrekord von 772 Fällen aus dem Jahr 2022 fallen. Rechnet man Übergriffe unter Gefangenen selbst hinzu, kommt man bereits auf 757 Strafverfahren im laufenden Jahr, umgerechnet rund vier Übergriffe pro Tag. Auch hier zeichnet sich ein Rekordkurs ab: Im Vorjahr wurden insgesamt 1.320 derartige Vorfälle gezählt, ein Wert, der heuer ebenfalls übertroffen werden könnte.

Budget wird trotz aller Probleme gekürzt

Zu den strukturellen Problemen kommt eine finanzielle Komponente hinzu: Wie Sporrer in ihrer Anfragebeantwortung schreibt, wurden „für das Jahr 2027 757,033 Millionen Euro und für das Jahr 2028 741,614 Millionen Euro dem Straf- und Maßnahmenvollzug zugewiesen“ – das Budget sinkt damit von einem Jahr aufs nächste, während Belegung und Übergriffszahlen weiter steigen.

Ob und wie die Justizministerin angesichts sinkender Mittel und wachsender Zahlen tatsächlich gegensteuern kann, dürfte sich erst in den kommenden Monaten zeigen.

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