„Nicht eingebunden“ – aber auf dem roten Teppich: Bablers Erklärung zum Steuerfilm

„Nicht eingebunden“ – aber auf dem roten Teppich: Bablers Erklärung zum Steuerfilm

Der Dokumentarfilm über Vizekanzler Andreas Babler kommt kaum ins Kino, kostet die Steuerzahler eine halbe Million Euro – und die parlamentarische Anfragebeantwortung wirft mehr Fragen auf, als sie beantwortet.

97,5 Prozent aus Steuergeld

Die Zahlen sprechen für sich. Wie heute.at und oe24.at berichteten, flossen insgesamt rund 553.000 Euro öffentlicher Mittel in die Produktion des Dokumentarfilms „Wahlkampf“ von Regisseur Harald Friedl – über das Österreichische Filminstitut (ÖFI), den Filmfonds Wien und das Land Niederösterreich. Laut der nun vorliegenden Anfragebeantwortung durch Bablers eigenes Ministerium wurden damit 97,5 Prozent der gesamten Herstellungskosten aus öffentlichen Mitteln finanziert. Das Ministerium betont, die Förderentscheidung sei ausschließlich durch eine „weisungsfreie und unabhängige“ Kommission erfolgt – eine parteipolitisch motivierte Vergabe wird entschieden zurückgewiesen.

Babler: „Zu keinem Zeitpunkt eingebunden“

FPÖ-Kultursprecher Wendelin Mölzer hatte in einer parlamentarischen Anfrage 25 detaillierte Fragen gestellt – direkt an die Hauptperson des Films, die nun als Kulturminister über eben jene Förderstrukturen wacht. Wie heute.at berichtete, erklärte Babler in seiner Anfragebeantwortung ausdrücklich: „Ich war zu keinem Zeitpunkt in die Konzeption, Gestaltung oder Vermarktung des Films eingebunden.“ Doch genau diese Darstellung wirft laut exxpress Fragen auf. Denn öffentlich dokumentiert ist, dass Babler gemeinsam mit Regisseur Harald Friedl beim steuerfinanzierten Premieren-Event auf dem roten Teppich der Diagonale in Graz erschien.

Diagonale erhält 540.220 Euro jährlich aus Bablers Ministerium

Besonders pikant ist in diesem Zusammenhang eine weitere Zahl. Wie exxpress berichtete, teilte das Kulturministerium auf Anfrage mit, dass das Filmfestival Diagonale jährlich 540.220 Euro aus Mitteln der Filmabteilung des Kulturministeriums erhält – also aus jenem Ressort, das Babler selbst leitet. Babler nahm an einem steuerfinanzierten Event eines steuerfinanzierten Festivals für einen steuerfinanzierten Film teil – und erklärt gleichzeitig, mit dem Projekt nichts zu tun gehabt zu haben.

895 Zuschauer – 600 Euro pro Ticket

Das Publikumsinteresse hielt sich in engen Grenzen. Wie unzensuriert.at unter Berufung auf Kinodaten berichtete, kamen österreichweit nur 895 Zuschauer in die Vorstellungen – was rechnerisch einem öffentlichen Förderaufwand von rund 600 Euro pro verkauftem Kinoticket entspricht. Die Reaktionen im Netz fielen entsprechend aus. Auf X hieß es laut exxpress: „So viel Steuergelder für einen Film, der gefühlt pro Vorstellung zwei Zuschauer hat. Ein einziger Witz.“

Regisseur widerspricht Propagandavorwurf

Regisseur Friedl wies die Kritik zurück. Wie unzensuriert.at berichtete, betonte er nach der Premiere in Graz, der Film sei beobachtend angelegt und verzichte auf kommentierende Einordnung – auch unangenehme Situationen seien zu sehen. Er hätte den Film nach eigenen Angaben auch gedreht, wenn Babler wieder Bürgermeister von Traiskirchen geblieben wäre. Dass die Diskussion damit abgeschlossen ist, gilt als ausgeschlossen – FPÖ-Kultursprecher Mölzer hat weitere parlamentarische Anfragen angekündigt.

Credits: APA

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