Die Wiener Bildungsdirektion hat erstmals aktuelle Daten zu den Religionsbekenntnissen der Schüler erhoben. Das Ergebnis zeigt eine deutliche Verschiebung — vor allem in öffentlichen Mittelschulen.
42 Prozent Muslime in öffentlichen Schulen — Tendenz steigend
Wie oe24 unter Berufung auf die Presse berichtet, hat die Wiener Bildungsdirektion Daten zu den Religionsbekenntnissen von insgesamt rund 128.000 Schülern erhoben. Die Angaben basieren auf den Meldungen der Erziehungsberechtigten und umfassen öffentliche sowie private Volksschulen, Mittelschulen, Sonderschulen und polytechnische Schulen. Daten zu höheren Schulen wie Gymnasien wurden noch nicht veröffentlicht.
Von den 128.000 erfassten Schülern besuchen 114.000 — also rund 89 Prozent — eine öffentliche Schule. In diesen öffentlichen Schulen stellen Schüler mit islamischem Glaubensbekenntnis mit 42 Prozent die größte Gruppe dar. Im Schuljahr 2024/25 lag dieser Anteil noch bei 41,2 Prozent, im Jahr davor bei 39,4 Prozent — der Trend zeigt damit kontinuierlich nach oben.
Besonders deutlich in den Mittelschulen
Am deutlichsten ist die Verschiebung in den öffentlichen Mittelschulen. Dort stellen muslimische Schüler laut oe24 mit 49,4 Prozent die mit Abstand größte Gruppe dar — knapp die Hälfte aller Schüler in diesem Schultyp.
Privatschulen mit umgekehrtem Bild
In privaten Schulen zeigt sich ein deutlich anderes Religionsprofil. Über alle erhobenen Schultypen gerechnet liegt der Anteil katholischer Schüler dort bei 45,39 Prozent — Muslime kommen auf lediglich 7,6 Prozent. Privatschulen — darunter viele konfessionelle Einrichtungen — werden also in deutlich geringerem Ausmaß von muslimischen Familien gewählt, während sie gleichzeitig von einem erheblichen Teil der nicht-muslimischen Bevölkerung als Alternative zu öffentlichen Schulen genutzt werden.
Einordnung: Wien als demografischer Sonderfall
Die Zahlen spiegeln die demografische Realität einer Stadt wider, in der laut Statistik Austria rund ein Drittel der Bevölkerung Migrationshintergrund hat und muslimische Gemeinschaften seit Jahrzehnten einen erheblichen Teil der Wohnbevölkerung stellen. Der Anteil muslimischer Schüler in öffentlichen Schulen liegt damit deutlich über dem bundesösterreichischen Durchschnitt — und hat direkte Konsequenzen für schulische Fragen wie Sprachförderung, Kopftuchregelungen oder die Gestaltung des Religionsunterrichts, die aktuell politisch diskutiert werden.
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