Musks Europakarte geht viral: Was hinter dem Rechtsruck wirklich steckt

Musks Europakarte geht viral: Was hinter dem Rechtsruck wirklich steckt

7,2 Millionen Aufrufe in 72 Stunden – Elon Musks geteilte Europakarte hat einen Nerv getroffen. Der Trend dahinter ist real und messbar: In zwei Dritteln aller erfassten europäischen Länder liegen rechte oder Mitte-rechts-Parteien vorne.

Die Karte und ihr Kontext

Am 20. Juni teilte Elon Musk auf X eine Europakarte der Plattform geo.universe, die aktuelle Umfragespitzenwerte rechter Parteien visualisiert – kommentiert mit den Worten: „Time to return to sanity“. Der Beitrag erreichte binnen 72 Stunden 7,2 Millionen Aufrufe. Die Karte ist ein Momentbild. Doch der Trend dahinter ist laut exxpress real: Die Wahltrend-Plattform PolitPro, die rund 70 europäische Parlamente erfasst, zeigt in aktuellen Aggregationsdaten, dass rechte Parteien in 14 europäischen Ländern führen, Mitte-rechts-Parteien in weiteren 13 – zusammen also in 27 von 41 erfassten Ländern. Linke Parteien liegen nur in zwei Ländern vorne: Irland und Bulgarien.

Österreich, Frankreich, Deutschland, Großbritannien

Die auffälligsten Einzelwerte liefert PolitPro in mehreren Ländern gleichzeitig. Österreich: FPÖ bei 37,3 Prozent, ÖVP bei 20,1, SPÖ bei 17,8. Frankreich: Rassemblement National bei 35 Prozent, das Linksbündnis NFP bei 24, Macrons Ensemble nur noch bei 14. Deutschland: AfD bei 27,9 Prozent, CDU/CSU bei 22,3 Prozent. Großbritannien: Reform UK bei 26,8 Prozent vor Labour mit 18,8 und den Tories mit 18,6 – ein Befund, der laut exxpress mit einer YouGov-Umfrage für Times und Sky News übereinstimmt, der zufolge Reform UK neun Punkte vor jeder anderen Partei liegt. In Norwegen führt die Fremskrittspartiet mit 30,4 Prozent, in Italien bleibt Giorgia Melonis Fratelli d’Italia stärkste Kraft.

Migration allein erklärt den Trend nicht

Der Rechtsruck hat viele Wurzeln – und Migration ist nur eine davon. Laut dem YouGov-Europe-Tracker, den exxpress zitiert, nennen in Frankreich 47 Prozent der Befragten die Wirtschaft als wichtigstes Problem, aber nur 27 Prozent Migration. In Deutschland liegt die Wirtschaft bei 44 Prozent, Immigration bei 26 Prozent. Das Standardbarometer der EU zeigt laut exxpress: 52 Prozent der Europäer nennen die Lebenshaltungskosten als wichtigstes persönliches Problem, 36 Prozent als wichtigstes nationales Problem. Rechte Parteien profitieren also auch von Teuerung, Energiepreisen und Wohnkosten.

Vertrauen und Wohlstand auf dem Tiefpunkt

Der tiefste Treiber ist laut dem Pew Research Center, das zehn europäische Länder befragte, Misstrauen: Im Median sagten 72 Prozent der Befragten, gewählte Politiker kümmerten sich nicht um das, was Menschen wie sie denken. In Frankreich sind es 74 Prozent, in Großbritannien 70, in Deutschland 63. Der Ipsos Populism Report 2025, den exxpress heranzieht, bestätigt das: 68 Prozent der Befragten in 31 Ländern sehen die entscheidende Spaltung zwischen normalen Bürgern und politischen Eliten, 62 Prozent sagen, Experten verstünden ihr Leben nicht.

Dazu kommt die strukturelle Wettbewerbsschwäche: Der Draghi-Bericht zur europäischen Wettbewerbsfähigkeit warnt laut exxpress vor schwacher Produktivität, hohen Energiepreisen und wachsenden Investitionslücken. Der IWF erwartet für die Eurozone 2026 nur schwaches Wachstum. Sicherheitspolitisch zeigt eine ECFR-Umfrage in 15 Ländern: Nur noch 11 Prozent sehen die USA als Verbündeten, 25 Prozent bereits als Rivalen oder Gegner.

EINORDNUNG DER REDAKTION
Musks Karte ist politisches Marketing – aber die Zahlen dahinter sind real und stammen aus seriösen Quellen. Gleichzeitig lohnt ein nüchterner Blick auf die Grenzen des Trends: Umfragen sind keine Wahlergebnisse, und in vielen Ländern schlägt sich der Rechtsruck in den Meinungsumfragen deutlich stärker nieder als an den Urnen. Zudem stellt sich die Frage, ob rechte Parteien, wenn sie regieren, tatsächlich die Erwartungen erfüllen können, die ihre Wähler an sie stellen – bei Migration, Wirtschaft und Lebenshaltungskosten.

Credits: Ki-generirtes Bild

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