Mit dem Sonderzug in die ukrainische Hauptstadt, im Gepäck Wirtschaftsministerin, Rüstungsmanager und konkrete Zusagen: Bundeskanzler Friedrich Merz ist am Sonntagmorgen überraschend in Kiew eingetroffen. Einen Tag zuvor hatte Russland Ausländer und Diplomaten vor Reisen in die Ukraine gewarnt.
„Früher oder später gegen uns“
Seine Botschaft machte Merz gleich bei der Ankunft deutlich. „Wenn Russland nicht gestoppt wird, richtet sich seine Kriegsmaschinerie früher oder später gegen uns“, sagte der CDU-Chef laut dpa. Begleitet wird er von Wirtschaftsministerin Katherina Reiche (CDU) und zehn Unternehmern aus den Bereichen Rüstung und Energie. Es ist sein zweiter Besuch in Kiew seit seinem Amtsantritt, der erste fand im Mai 2025 statt.
Abfangdrohnen gegen Düsen-Drohnen
Nach Angaben aus Regierungskreisen, die die dpa zitiert, will Merz den ukrainischen Streitkräften die baldige Lieferung Tausender Abfangdrohnen zusagen. Sie sollen gegen die neuen russischen Kampfdrohnen mit Düsenantrieb eingesetzt werden, die besonders schnell und deshalb schwer abzufangen sind. Russland setzt diese Drohnen seit dem Sommer verstärkt ein.
Waffen mit mehr als 1.000 Kilometern Reichweite
Außerdem soll die Produktion weitreichender Waffen mit einer Reichweite von mehr als 1.000 Kilometern vorangetrieben werden, mit denen Nachschublinien hinter der Front in Russland angegriffen werden können. Dafür sollen laut dpa eine Milliarde Euro aus bereits bewilligten Haushaltsmitteln freigegeben werden. Weitere 350 Millionen Euro sind für die Reparatur und den Wiederaufbau zerstörter Kraftwerke vorgesehen. Merz betonte laut dts, Russland bombardiere Städte, Wohnhäuser und Heizkraftwerke, die Ukrainer ließen sich aber nicht unterkriegen. Deutschland sei finanziell und militärisch der wichtigste Unterstützer der Ukraine, auch wenn der Widerstand gegen die Milliardenhilfen wachse.
Kiew unter Druck
Der Besuch fällt in eine schwierige Phase. Präsident Wolodymyr Selenskyj hatte erst am Freitag im Reuters-Interview von einer russischen „neuen Doktrin“ gesprochen, die Angriffe auf Infrastruktur, Städte, Schulen und Spitäler erlaube. Bei EU-Botschaftern warb er um 20 Milliarden Euro aus ungenutzten Mitteln des EU-Rüstungsprogramms SAFE, unter anderem für die Luftabwehr. Am Samstag kündigte Moskau weitere Schläge an.
Und zu Hause?
Innenpolitisch steht der Kanzler unter Druck. Im ARD-Deutschlandtrend zeigten sich zuletzt nur noch zehn Prozent mit seiner Arbeit zufrieden, der schlechteste Wert für einen Kanzler seit Beginn der Umfragereihe 1997. Die Reise nach Kiew ist auch ein Signal, dass er am außenpolitischen Kurs festhält.
Credits: Steffen Prößdorf, CC BY-SA 4.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=151722057
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