Ex-Bundeskanzlerin Angela Merkel hat sich in einem Podcast ungewohnt offen zur Machtstellung von Bill Gates während der Corona-Pandemie geäußert. Ihre Schilderung: Der Microsoft-Gründer habe über seine Stiftung erheblichen finanziellen und damit politischen Einfluss auf Regierungen weltweit ausgeübt.
Der Auftritt: eine Sonderfolge des Handelsblatt-Podcasts
Merkel äußerte sich am 9. September 2026 in einer Sonderfolge des Handelsblatt-Podcasts „Meckel & Matthes“ zur Macht großer Tech-Unternehmer. Dabei kam sie von sich aus auf Bill Gates und dessen Stiftung zu sprechen und erklärte, sie habe bereits vor der aktuellen KI-Debatte über die Macht privater Unternehmer nachgedacht – ausgelöst durch ihre Erfahrungen mit Gates. Dessen Stiftung habe zunehmend über gewaltige finanzielle Mittel verfügt, und Gates sei entsprechend behandelt worden: „Er wurde plötzlich mindestens so freundlich von irgendeinem Regierungschef auf der Welt empfangen wie ich.“
„Die Kraft, qua Geld moralischen Druck auszuüben“
Besonders deutlich wird Merkel bei der Einordnung von Gates‘ politischem Mechanismus. Ihr Vergleich: Der demokratisch nicht gewählte Milliardär habe einen Zugang zur politischen Weltspitze gehabt, den sie mit ihrem eigenen als deutsche Regierungschefin vergleiche. Ihre pointierte Formulierung dazu: „Und er hat dann auch sozusagen die Kraft gehabt, qua Geld moralischen Druck auszuüben.“
Konkretes Beispiel: die globale Impfallianz
Als Beispiel für diesen Mechanismus nennt Merkel ausdrücklich die Finanzierung der internationalen Impfallianz Gavi. Habe Deutschland nicht genügend Geld bereitgestellt, sei die Bundesregierung unter Rechtfertigungsdruck geraten: „Wenn wir nicht genug gegeben haben, stand man gleich schlecht da.“ Gates habe demnach anderen Regierungschefs mitgeteilt, wenn er Deutschlands Beitrag für zu gering hielt: „Und dann hat er jedem afrikanischen Regierungschef gesagt: Die Merkel, die war dieses Jahr geizig.“ Ihre Schlussfolgerung: „Und damit hatte er eine große Macht erlangt.“
Fokus auf Impfprogramme statt Bildung
Merkel schilderte zudem, wie stark sich die Stiftung – „damals noch Melinda-und-Bill-Gates-Stiftung“ – auf bestimmte Bereiche konzentrierte, allen voran Impfprogramme. Sie habe Gates einmal gefragt, ob seine Stiftung nicht stärker auch in Bildung investieren wolle. Seine Antwort: Dort seien Ergebnisse wesentlich schwieriger messbar als bei Gesundheitsprojekten.
Credits: Bundesregierung/Güngör
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