Die von Vizekanzler Andreas Babler (SPÖ) einberufene Krisensitzung mit seinen Ministern und Staatssekretären ist Geschichte – ein klares Ergebnis brachte sie allerdings nicht. Babler forderte Geschlossenheit von seinem Team, die SPÖ selbst bleibt aber weiterhin gespalten.
Ungewöhnliche Indiskretion aus dem eigenen Team
Wie oe24 in seiner Politik-Insider-Kolumne von Isabelle Daniel berichtet, zeigt sich selbst ein „ausgewiesener SPÖ-Kenner“ leicht ratlos über die Vorgänge: Es sei das erste Mal gewesen, dass eine derartige Indiskretion aus dem eigenen Team – also von Ministern und Staatssekretären selbst – lanciert worden sei. Dass eine Mehrheit der SPÖ-Länderchefs Babler für nicht mehr geeignet hält, die Partei in die nächste Wahl zu führen, gilt demnach längst als offenes Geheimnis innerhalb der SPÖ.
Ein Termin, der die Gerüchte erst befeuerte
Babler selbst hatte seine Regierungsriege am Mittwoch um 15 Uhr in die Parteizentrale in der Löwelstraße geladen. Bemerkenswert dabei: Erst am Vortag hatte er zu dieser Sitzung eingeladen – ein Vorgehen, das laut mehreren SPÖ-Funktionären ungewöhnlich sei und damit die bereits kursierenden Ablösegerüchte um seine Person erst zusätzlich befeuert habe.
Lästern über Medien, Forderung nach Geschlossenheit
Beim Treffen selbst soll Babler wieder einmal über die mediale Berichterstattung gelästert haben, ehe er von seinem „Team“ mehr Geschlossenheit und Engagement einforderte – eine Formulierung, die als Seitenhieb gegen einzelne seiner Ministerinnen und Minister verstanden werden dürfte. Der als möglicher Nachfolger gehandelte Finanzminister Markus Marterbauer dementierte unterdessen, eine Übernahme anzustreben.
Bablers „Plan B“ bleibt offenbar aufrecht
Trotz des Dementis dürfte laut dem Bericht Bablers sogenannter „Plan B“ weiterhin bestehen: Sobald Marterbauer von seinen behandelnden Ärzten grünes Licht erhält – was noch einige Wochen dauern könnte –, könnte eine Rochade erfolgen, bei der Babler Minister und Parteichef bleibt, während Marterbauer das Amt des Vizekanzlers übernimmt. Dieses Szenario soll Babler sich ausgedacht haben, um eine Übernahme durch Top-Manager Gerhard Zeiler zu verhindern, der als Vizekanzler und SPÖ-Chef zur Verfügung gestanden wäre – dafür allerdings keine Mehrheit in der aktuellen Parteispitze findet.
Seltenheim verspricht Stabilität bis Jänner
Eine klare Gegenposition zu den Ablösegerüchten bezog SPÖ-Bundesgeschäftsführer Klaus Seltenheim im oe24.TV-Interview: Er garantierte, dass Babler auch noch im Jänner sowohl Vizekanzler als auch Parteichef sein werde.
Ob diese Garantie hält oder die parteiinternen Spannungen schon vorher zu einer personellen Neuaufstellung führen, dürfte sich in den kommenden Wochen zeigen.
Credits: BKA, Christoph Dunker
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