Außenministerin Beate Meinl-Reisinger reiste nach Äthiopien, um Wirtschaftsbeziehungen auszubauen und die österreichische Afrikastrategie voranzutreiben. Die Bilanz: vielversprechend – aber mit realistischem Blick auf die Herausforderungen.
Ein Kontinent, der neu gedacht werden muss
Der Ton war programmatisch: „Die Frage ist nicht, ob Afrika für uns relevant ist, sondern ob Österreich und die EU für Afrika relevant sind“, sagte Außenministerin Beate Meinl-Reisinger (NEOS) am Abschluss ihres Besuchs in Addis Abeba laut ORF. Es gelte, bestimmte Bilder, die Europa seit Generationen begleiten, hinter sich zu lassen. Statt Entwicklungshilfedenken: gleichberechtigte wirtschaftliche Partnerschaft.
Äthiopien ist für Österreich eines von vier „Schwerpunktländern“ – neben Burkina Faso, Uganda und Mosambik –, die bei der Erarbeitung einer umfassenden Afrikastrategie besondere Rolle spielen. Wie die Salzburger Nachrichten berichteten, soll diese Strategie im Herbst finalisiert werden.
Business Forum mit österreichischer Wirtschaftsdelegation
Kern des Besuchs war die Teilnahme am „EU-Ethiopia Business Forum“ in Addis Abeba – gemeinsam mit EU-Kommissar für internationale Partnerschaften Jozef Sikela. Wie vol.at berichtete, war auch eine österreichische Wirtschaftsdelegation vor Ort. Besucht wurden unter anderem ein lokaler Produktionsstandort der österreichisch-deutschen Firma Lohmann & Rauscher, die im Industriepark Bole Lemi Medizin- und Hygieneprodukte herstellt, sowie das Innsbrucker Medizintechnikunternehmen MED-EL, das sich auf implantierbare Hörsysteme spezialisiert hat.
Meinl-Reisinger traf laut ORF auch ihren äthiopischen Amtskollegen Gedion Timothewos sowie Präsident Taye Atske Selassie.
Österreichs Flaggschiffprojekt: Grüner Wasserstoff
Österreichs Fokus in der Region ist klar definiert. Wie die Tiroler Tageszeitung berichtete, liegt der Schwerpunkt auf Konnektivität und erneuerbarer Energie. Das wichtigste österreichische Projekt ist der „südliche Wasserstoffkorridor“: Grüner Wasserstoff aus Tunesien und Algerien soll künftig über Pipelines nach Italien, Österreich und Deutschland geliefert werden.
Äthiopien selbst bietet laut BMEIA wirtschaftlich erhebliches Potenzial – Wachstumsraten von bis zu acht Prozent jährlich, rund 130 Millionen Einwohner, zwei Drittel davon jung. Chancen liegen in Infrastruktur, Energie, Gesundheit, Maschinenbau und Agrarwirtschaft. Der direkte Warenaustausch zwischen Österreich und Äthiopien ist bisher aber noch überschaubar: Das Exportvolumen lag 2024 laut APA bei rund neun Millionen Euro, die Importe bei fünf Millionen.
Memorandum mit der Afrikanischen Union – und China im Hintergrund
Ein weiteres Ergebnis der Reise: Österreich unterzeichnete eine Vereinbarung zur Vertiefung der Zusammenarbeit mit der Afrikanischen Union, die ihren Sitz ebenfalls in Addis Abeba hat. Wie die Tiroler Tageszeitung berichtete, soll die Vereinbarung die Partnerschaft in Wirtschaft, Frieden, Sicherheit und Menschenrechten stärken. Auch die mögliche Einrichtung einer AU-Vertretung bei den UN-Organisationen in Wien wurde festgehalten.
Im Hintergrund steht dabei der wachsende chinesische Einfluss auf dem Kontinent. Die EU-Initiative „Global Gateway Strategy“ – 300 Milliarden Euro für nachhaltige Infrastrukturprojekte bis 2027 – ist explizit als wertorientierte Alternative zu Chinas „Neuer Seidenstraße“ konzipiert, wie Sikela und Meinl-Reisinger laut Salzburger Nachrichten bei ihrer gemeinsamen Pressekonferenz betonten.
Credits: APA
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