Ein Landeshauptmann mit Rekordwerten, ein Parteichef mit Rekordumfragen, aber schwächeren persönlichen Werten: Eine neue Lazarsfeld-Umfrage befeuert die Frage, ob Mario Kunasek für die FPÖ der aussichtsreichere Kanzlerkandidat wäre als Herbert Kickl. Ein Blick auf die Zahlen und die Fakten zeigt, warum die Debatte aufkommt – und wo sie an Grenzen stößt.
Die Zahlen: Kunasek klar vorne
Im Landeshauptleute-Barometer der Lazarsfeld-Gesellschaft für oe24 (1.000 Befragte, 21. bis 22. September) haben 33 Prozent einen guten Eindruck vom steirischen Landeshauptmann, nur 17 Prozent einen schlechten. Das ergibt einen Saldo von plus 16 – als einziger der neun Landeschefs liegt Kunasek im positiven Bereich. Kickl kommt im Polit-Barometer desselben Instituts und Befragungszeitraums auf 33 Prozent positive und 38 Prozent negative Nennungen, also minus 5. Das ist zwar der beste Wert aller Bundespolitiker, aber deutlich schlechter als Kunaseks Ergebnis. Ein direkter Vergleich hat allerdings Grenzen: Ein Landeshauptmann wird bundesweit anders wahrgenommen als ein Oppositionschef, der täglich in der bundespolitischen Auseinandersetzung steht.
Warum der Name fällt
Wie oe24 berichtet, ist in der FPÖ „immer häufiger“ Kunaseks Name zu hören, wenn es um den nächsten Kanzlerkandidaten geht. Wer das konkret sagt, nennt der Bericht nicht. Die Argumentation dahinter liefert oe24 gleich mit: Kunasek wirke betont normal und nicht radikal, halte Distanz zu den Identitären und pflege Gesprächskanäle zu anderen Parteien, sogar zur Grazer KPÖ-Bürgermeisterin Elke Kahr. Kickl dagegen habe die Kanzlerschaft bereits einmal verspielt, „mit dem Mario“ habe dagegen keiner ein Problem – so die Einschätzung der Zeitung. Tatsächlich war Kickl Anfang 2025 mit dem Versuch gescheitert, mit der ÖVP eine Regierung zu bilden.
Was für Kickl spricht
Gegen eine Ablöse sprechen allerdings handfeste Zahlen. Unter Kickl wurde die FPÖ bei der Nationalratswahl 2024 erstmals stärkste Kraft, in der aktuellen Lazarsfeld-Sonntagsfrage liegt sie bei 38 Prozent. In der Kanzlerfrage kommt Kickl mit 33 Prozent auf mehr als alle anderen Parteichefs. Kunasek selbst hat bislang öffentlich keine bundespolitischen Ambitionen erkennen lassen. Als die Regierungsverhandlungen auf Bundesebene im Jänner 2025 platzten, warb er laut ORF Steiermark ausdrücklich für eine Bundesregierung mit Kickl an der Spitze.
Die Hypotheken des Steirers
Auch Kunasek ist nicht ohne Angriffsfläche. Die Steiermark hat laut oe24 den höchsten Schuldenstand aller Bundesländer, die Landesregierung spart im Sozialbereich, und Spitalsschließungen, gegen die die FPÖ früher mobil machte, kommen nun als „Spezialisierung der Standorte“. Dazu kommt die Finanzaffäre der Grazer FPÖ: Wie 5 Minuten im Juni berichtete, laufen die Ermittlungen auch nach fünf Jahren weiter – auch gegen Kunasek. Geprüft wird, ob die Landespartei von möglichen Vorgängen in der Grazer FPÖ wusste, ohne einzuschreiten. Kunasek weist die Vorwürfe zurück, es gilt die Unschuldsvermutung. Ein Teilstrang, die Causa „Hausbau Kunasek“, wurde laut MeinBezirk von der Staatsanwaltschaft Klagenfurt bereits eingestellt.
Ein Gedankenspiel, keine Kandidatur
Unterm Strich ist die Kunasek-Frage derzeit vor allem eine Mediendebatte. Einen offiziellen Vorstoß gibt es weder aus der Partei noch von Kunasek selbst. Sie zeigt aber ein Muster, das Umfragen seit Längerem nahelegen: Die FPÖ als Partei ist stärker, als es die persönlichen Werte ihres Chefs sind – und ein Landeshauptmann, der moderater auftritt, erreicht Menschen, die mit Kickl wenig anfangen können.
Credits: BKA Chrisopher Dunker
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