Die Diät, die zu schön klingt, um wahr zu sein — und es auch nicht ist

Die Diät, die zu schön klingt, um wahr zu sein — und es auch nicht ist

Eine Suppe, die mehr Kalorien verbrennt als sie enthält. Klingt nach dem Ernährungsmärchen des Jahrhunderts — und ist es auch. Trotzdem hält sich die Kohlsuppendiät seit Jahrzehnten hartnäckig in Diätratgebern, Foren und Familienrezepten. Warum? Weil sie tatsächlich funktioniert. Nur eben aus völlig anderen Gründen, als die meisten glauben.

Das Versprechen der Negativ-Kalorien

Die Idee hinter der Kohlsuppendiät ist bestechend einfach: Kohl hat kaum Kalorien, aber viele Ballaststoffe — und der Körper muss so viel Energie aufwenden, um ihn zu verdauen, dass am Ende ein Minus auf dem Kalorien-Konto steht. Wer also literweise Kohlsuppe isst, nährt sich quasi durch Verbrennen.

Das klingt logisch. Ist aber Rechenfehler.

Richtig ist: Verdauung kostet tatsächlich Energie. Der sogenannte thermische Effekt von Nahrung — also jene Kalorien, die der Körper allein fürs Verarbeiten einer Mahlzeit aufwendet — beträgt im Durchschnitt etwa 10 bis 20 Prozent des Kaloriengehalts des Lebensmittels. Bei ballaststoffreichen Speisen liegt er etwas höher als bei fetthaltigen, aber er übersteigt niemals den Gesamtwert. Es bleibt immer ein Plus — kein Minus. Und die gute Nachricht für alle, die auf Lebensmittelverpackungen schauen: Dieser Verdauungsaufwand ist in der angegebenen Kalorienzahl bereits eingerechnet. Negativ-Kalorien sind schlicht eine Rechenlegende.

Warum die Diät trotzdem wirkt

Und dennoch: Wer eine Woche lang ausschließlich Kohlsuppe isst, verliert tatsächlich Gewicht — teils beachtlich schnell. Der Haken liegt im Wie.

Ein großer Teil des Gewichtsverlusts ist schlicht Wasserverlust. Kohlenhydratarme, salzarme Kost entzieht dem Körper Wasser, das er in den Folgewochen wieder aufnimmt. Dazu kommt die drastisch reduzierte Kalorienzufuhr — wer fast nur Suppe isst, isst schlicht zu wenig. Was zunächst nach einem Erfolg aussieht, ist in Wahrheit ein vorübergehendes Defizit, das der Körper mittelfristig ausgleicht.

Am problematischsten ist ein dritter Faktor: Eiweißmangel. Wer dem Körper über längere Zeit keine ausreichende Proteinzufuhr gönnt, verliert nicht nur Fett, sondern auch Muskelmasse. Muskeln sind aber jenes Gewebe, das den Ruhestoffwechsel am Laufen hält — wer sie abbaut, verbrennt dauerhaft weniger Kalorien. Ein klassischer Beitrag zum Jo-Jo-Effekt.

Was Kohl trotzdem kann

Das alles ist keine Kritik am Kohl selbst. Das Gemüse ist tatsächlich bemerkenswert nährstoffreich: reich an Vitamin C, Vitamin K, Folsäure und Ballaststoffen, kalorienarm und sättigend. Als Teil einer ausgewogenen Ernährung ist Kohlsuppe hervorragend — als alleiniges Lebensmittel über mehrere Tage ist sie es nicht.

Wer auf die sättigende Wirkung der Suppe schwört und nicht auf sie verzichten will, kann sie mit Linsen, Kartoffeln oder etwas Hülsenfrüchten aufwerten. Das verlangsamt den Gewichtsverlust, schützt aber die Muskeln, verhindert Nährstoffmangel — und macht die Suppe nebenbei deutlich schmackhafter.

Schnell abnehmen ohne Hunger und ohne Verzicht: Das bleibt ein schöner Gedanke. Die Biologie macht da leider keine Ausnahmen.

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