Mitten im Machtkampf in der SPÖ wittern die Grünen ihre Chance. Bei einem Kampagnenauftritt in Innsbruck erklärte Grünen-Chefin Leonore Gewessler die Sozialdemokraten für „in Reichweite“. Mit einem vorzeitigen Ende der Regierung rechnet sie trotzdem nicht.
Zwei Punkte Abstand
Auf dem Innsbrucker Bozner Platz verwies Gewessler vor Sympathisanten auf die guten Umfragewerte ihrer Partei, wie die APA berichtet. Die SPÖ sei schon „in Reichweite“. Tatsächlich liegen die Grünen in der jüngsten Lazarsfeld-Umfrage für oe24 bei 13 Prozent, nur zwei Punkte hinter der SPÖ mit 15 Prozent. Die Sozialdemokratie sei in zentralen Fragen „umgefallen“, befand Gewessler, etwa beim Klimaschutz, in der Frauenpolitik und bei der Millionärssteuer. Die ÖVP sei nur noch damit beschäftigt, den jeweiligen Tag politisch zu überleben und im Kanzleramt zu bleiben.
Zum SPÖ-Streit kein Wort
Direkt nach der Führungsdebatte zwischen Andreas Babler und Gerhard Zeiler gefragt, hielt sich Gewessler dagegen zurück: „Ich beschäftige mich nicht tagein, tagaus mit Führungsdiskussionen in anderen Parteien: Das muss die SPÖ für sich beantworten.“ Einen Koalitionsbruch erwartet sie deswegen nicht: „Ich geh derzeit davon aus, dass das bis 2029 halten wird“, sagte sie – und zwar „auch aus Mangel an Optionen und Alternativen“.
Frontalangriff auf Kickl
Den schärfsten Ton reservierte Gewessler für die FPÖ. Die Freiheitlichen seien eine „Partei des kleinen Herzens“, „klein und kalt“. Die Grünen würden dagegen „das weltoffene Lager anführen“ und die Republik „nicht kampflos Herbert Kickl überlassen“. Ihr Kampagnenslogan: Die Grünen seien „die einzige Alternative“ zu „den rechten Hetzern und Spaltern und jenen, die mit sich selber beschäftigt sind und wie das Kaninchen vor der Schlange stehen“.
Ziel: Regierungsbeteiligung in Tirol und Oberösterreich
Konkrete Ziele nannte Gewessler für die Landtagswahlen 2027 in Oberösterreich und Tirol: In beiden Ländern wolle man wieder Teil einer Regierung werden. In Tirol sind die Grünen derzeit in Opposition, in Oberösterreich wegen des Proporzsystems mit einem Sitz in der Landesregierung vertreten. Den Wahlkampf beginnt die Partei an den Haustüren: Allein in Tirol sollen laut Landessprecher Gebi Mair rund 7.000 Hausbesuche stattfinden, den Auftakt machte am Dienstag Innsbruck.
Credits: Parlamentsdirektion/Katie-Aileen Dempsey
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