ORF-Stiftungsrat Peter Westenthaler hat geheime Compliance-Berichte über Zustände im Rundfunk eingesehen. Sein Urteil im oe24-Interview fällt vernichtend aus – und er fordert unmittelbares Handeln der Interimschefin.
Lesen im „Kammerl“, Handy abgegeben
Die Art und Weise, wie ORF-Stiftungsräte Zugang zu den internen Compliance-Berichten erhalten, sorgt bereits für sich für Aufregung. Wie oe24 berichtete, erklärte Stiftungsrat Peter Westenthaler im Interview: „Ich darf natürlich über diese streng geheimen Berichte keine Details verraten. Diese darf man nur streng geheim in einem Kammerl in Ostblockmanier lesen, mit einer Aufpasserin, die sogar die Handys absammelt.“
Was er nach der Lektüre aus diesen Berichten mitnehmen durfte: seine Meinung. Und die ließ er sich nicht nehmen.
„Sodom und Gomorra ist ein Kaffeekränzchen dagegen“
Wie oe24 berichtete, sagte Westenthaler nach der Einsicht in die Unterlagen: „Ich bin entsetzt: Sodom und Gomorra ist ein Kaffeekränzchen dagegen, was sich da im ORF abspielt.“ Konkret nannte er die Fälle Strobl, Ziegler und Schöber – also jene ORF-Manager, deren Agieren laut seinen Angaben in den Berichten detailliert beschrieben werde. „Wenn man das liest, wird einem schlecht, wie da mit den Gebührengeldern der ORF ausgeweidet wurde“, so Westenthaler. Rund 50 bis 60 Mitarbeiter sollen demnach in den internen Berichten ausgesagt haben.
„Fall für den Staatsanwalt“ – Anzeige gefordert
Westenthaler ließ es nicht bei verbaler Kritik. Wie oe24 berichtete, forderte er ORF-Interimsgeneraldirektorin Ingrid Thurnher zum sofortigen Handeln auf: „Wenn man das liest, ist nicht nur Gefahr in Verzug. Es muss sofort Anzeige bei der Staatsanwaltschaft erstattet werden. Die müssen dort einreiten und sich diese Akten holen.“
Als Straftatbestände nannte er dem Bericht zufolge Verdacht auf Untreue, Bilanzfälschung und schwere Verstöße seit 2021. Er räumte dabei ein: „Es gilt für alle die Unschuldsvermutung.“ Der Vorwurf, dass viele Beteiligte diese Berichte lieber unter Verschluss sähen, sei für ihn durch die Lektüre nun klar verständlich: „Jetzt ist mir auch klar, warum so viele Leute nicht wollen, dass diese Berichte gelesen werden.“
Credits: APA
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