Warum der Frühling uns müde macht — obwohl er das Gegenteil verspricht

Warum der Frühling uns müde macht — obwohl er das Gegenteil verspricht

Draußen wird es heller. Die Tage länger. Die Temperaturen klettern endlich wieder über die Zehn-Grad-Marke. Eigentlich der perfekte Zeitpunkt, um voller Energie durchzustarten. Stattdessen: Gähnen. Schwere Glieder. Das dringende Bedürfnis, sich trotz acht Stunden Schlaf nochmal hinzulegen.

Willkommen in der absurdesten Müdigkeitsphase des Jahres — und ja, sie ist real.

Kein Einbildung, aber auch kein klar definiertes Krankheitsbild

Die Frühjahrsmüdigkeit hat es schwer in der Wissenschaft. Belastbare Studien dazu sind rar, eine eindeutige medizinische Definition gibt es nicht. Und trotzdem berichten Millionen Menschen jedes Jahr zuverlässig von demselben Phänomen: Mit dem Frühlingsanfang sinkt die Energie, bevor sie wieder steigt.

Das liegt daran, dass mehrere biochemische Prozesse gleichzeitig ins Straucheln geraten — und sich gegenseitig verstärken.

Der Körper kommt nicht sofort mit

Steigende Außentemperaturen weiten die Blutgefäße, der Blutdruck sinkt. Das ist gut fürs Herz, aber schlecht fürs Energieniveau: Wer einen niedrigeren Blutdruck hat, fühlt sich kurzfristig schlapper und weniger leistungsfähig.

Gleichzeitig gerät der Hormonhaushalt in Bewegung. Mehr Tageslicht bedeutet mehr Serotonin — das sogenannte Glückshormon, das Stimmung und Antrieb hebt. Soweit so gut. Das Problem: Der Körper hat den ganzen Winter über erhöhte Mengen Melatonin produziert, jenes Hormon, das uns müde und schläfrig macht. Dieser Spiegel baut sich nicht von heute auf morgen ab. Das Ergebnis ist ein hormonelles Zwischenstadium: Serotonin steigt, Melatonin ist noch da — eine Kombination, die den Körper verwirrt und erschöpft.

Dazu kommt ein dritter Faktor, der gerne unterschätzt wird: die Winterernährung. Wer die letzten Monate eher schwer und nährstoffarm gegessen hat, startet mit leeren Depots in den Frühling. Vitamine, Mineralstoffe, Spurenelemente — vieles davon fehlt jetzt genau dann, wenn der Körper eigentlich in Schwung kommen soll.

Was wirklich hilft

Der wichtigste Schritt ist der einfachste: raus. Tageslicht ist das wirksamste Mittel gegen den Melatonin-Überhang. Wer seinen Alltag so gestaltet, dass er möglichst viel natürliches Licht abbekommt — auch an bedeckten Tagen — hilft dem Hormonhaushalt, sich neu zu kalibrieren. Bewegung an der frischen Luft verstärkt diesen Effekt.

Vitamin D sollte jetzt ebenfalls auf dem Radar sein. Nach einem langen Winter mit wenig Sonne sind die Speicher bei vielen Menschen auf einem Tief — und Vitamin D ist nicht nur für Knochen wichtig, sondern beeinflusst direkt Stimmung und Immunsystem.

Auf dem Teller sollte jetzt alles Platz finden, was frisch, bunt und nährstoffreich ist. Besonders relevant sind B-Vitamine, die den Stoffwechsel ankurbeln und in Bananen, Avocados, Vollkornprodukten, Nüssen und Samen stecken. Vitamin C wirkt aktivierend, Vitamin E unterstützt zusätzlich Haut und Haare und findet sich vor allem in hochwertigen Pflanzenölen und Haselnüssen. Wer auf seinen Eisenspiegel achten möchte: Haferflocken, Kürbiskerne, Hülsenfrüchte, Quinoa und Sesam sind ergiebige Quellen — das Gerücht, Fleisch sei die einzige echte Eisenquelle, ist längst widerlegt. Auch Zink spielt jetzt eine Rolle, gut zu finden in Sojabohnen, Linsen, Erbsen und Erdnüssen.

Frische Kräuter sind im Frühling besonders wertvoll, weil sie auf kleinem Raum viel liefern. Bärlauch etwa — gerade jetzt Saison — stärkt Herz und Kreislauf und fördert die Durchblutung.

Die Frühjahrsmüdigkeit geht von selbst. Aber wer ihr ein bisschen auf die Sprünge hilft, merkt den Unterschied.

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