Er war zehn Jahre lang Bürgermeister von Wiener Neustadt, heute pflegt er internationale Netzwerke – und trägt einen Doktortitel, der zunehmend Fragen aufwirft.
Titel ohne nachweisbare Grundlage
Bernhard Müller, SPÖ-Politiker und ehemaliger Bürgermeister von Wiener Neustadt (2005–2015), tritt öffentlich mit dem akademischen Grad „Doctor of Science“ im Bereich International Management auf – so auf seinem LinkedIn-Profil. Laut Wikipedia schloss Müller 2011 ein Studium der Politikwissenschaften und Publizistik mit dem Titel Bachelor of Arts ab und erwarb 2013 einen Master of Public Administration. Ein reguläres Doktorat findet in seiner öffentlich dokumentierten Bildungsbiografie keine Erwähnung.
Der Grad soll laut verfügbaren Angaben auf ein Studium an der polnischen Hochschule Collegium Humanum – Warsaw Management University zurückgehen. Wie der deutsche Plagiatsprüfer Stefan Weber auf seinem Blog plagiatsgutachten.com dokumentierten, steht die Einrichtung seit März 2024 wegen laufender Ermittlungen zu Titelhandel und akademischen Unregelmäßigkeiten unter staatlicher Zwangsverwaltung in Polen. Die Hochschule verfügt laut Wikipedia über kein Promotionsrecht – ein „Doctor of Science“ ist damit nach polnischem Recht kein regulärer akademischer Grad. In Deutschland ist er laut plagiatsgutachten.com nicht führbar.
Plagiatsprüfer: Keine Doktorarbeit auffindbar
Plagiatsprüfer Stefan Weber erklärte öffentlich, nach einer Dissertation von Müller gesucht zu haben – ohne Ergebnis: Keine Doktorarbeit von Bernhard Müller sei weltweit auffindbar, weder in Rumänien, Tschechien, Bulgarien noch anderswo. Eine Anfrage von exxtra24 an Müller blieb bis Redaktionsschluss unbeantwortet.
Titel im BSA geführt – Diskussionen innerhalb der SPÖ
Besonders heikel: Müller sitzt laut öffentlich zugänglichen Angaben im Vorstand des Bund Sozialdemokratischer Akademikerinnen, Intellektueller und Künstler (BSA), wo der Doktortitel ebenfalls geführt wird. Innerhalb der SPÖ soll die Angelegenheit bereits für Diskussionen sorgen.
Neue Funktionen, alte Fragen
Nach seinem politischen Ende in Wiener Neustadt übernahm Müller das Generalsekretariat des Urban Forum – Egon Matzner Institut für Stadtforschung, einer SPÖ-nahen Einrichtung. Laut vorliegenden Informationen soll er zudem als albanischer Honorarkonsul fungieren. Auch der albanische Botschafter in Wien, Fate Velaj, steht seit Monaten wegen schwerer Plagiatsvorwürfe im Zusammenhang mit seiner akademischen Biografie unter öffentlichem Druck.
Kanzler Stocker kannte Müller gut – und kritisierte ihn scharf
Eine politische Randnotiz mit gewissem Symbolwert: Der heutige Bundeskanzler Christian Stocker (ÖVP) war jahrelang Vizebürgermeister in Wiener Neustadt und griff Müller als Oppositionspolitiker wiederholt öffentlich an – unter anderem wegen des Schuldenrekords der Stadt und dem, was Stocker laut seinen damaligen Aussendungen auf der ÖVP-Website als „Realitätsverweigerung“ in der Finanzpolitik bezeichnete.
Für sämtliche Vorwürfe gilt die Unschuldsvermutung. Ob der Doktortitel in Österreich rechtlich führbar ist, obliegt der zuständigen Bildungsbehörde – eine offizielle Stellungnahme liegt bisher nicht vor.
Credits: Wikipedia (KI-erweitert)
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