Nach der dramatischen Festsetzung der Gaza-Hilfsflotte sind die österreichischen Aktivisten zurück in der Heimat. Doch die Heimkehr wird von schweren Vorwürfen überschattet. Der ehemalige Skirennläufer Julian Schütter spricht von Misshandlung und Folter in israelischer Haft. Die Schilderungen sind erschütternd und werfen ein düsteres Licht auf den Umgang mit den Aktivisten.
„Wie Terroristen behandelt“
Am Bahnhof Wien Meidling kam es am Dienstag zu einem emotionalen Wiedersehen. Drei der vier österreichischen Aktivisten der „Global Sumud Flotilla“ wurden von Unterstützern empfangen, wie die Presse berichtet. Unter ihnen auch der bekannte Ex-Skiprofi Julian Schütter, der sofort schwere Anschuldigungen gegen die israelischen Behörden erhob. In einer Presseaussendung schildert er die dramatischen Stunden seiner Gefangennahme: „Wir sind als Terroristen beschimpft und auch so behandelt worden.“
Die Details seiner Erzählung sind beklemmend. „Wir mussten in der Nacht stundenlang am Boden sitzen, mit den Händen hinter dem Rücken mit Kabelbindern gefesselt, uns wurde medizinische Versorgung und 25 Stunden lang Wasser verweigert“, so Schütter. Die Bitte um ärztliche Hilfe sei zynisch abgetan worden: „Auf mehrmaliges Fragen nach einem Arzt kam die Antwort: Wir haben keinen Doktor für Tiere.“ Die Aussendung spricht unmissverständlich von „Misshandlungen und Folter“. Damit steht Schütter nicht allein da. Auch andere Teilnehmer der Flotte, darunter Mitstreiter aus Italien, berichteten von physischer und psychischer Gewalt.
Harte Worte aus Israel
Die israelische Regierung weist die Vorwürfe vehement zurück. Das Außenministerium bezeichnete ähnliche Anschuldigungen als „dreiste Lügen“. Doch aus dem Kabinett kommen ganz andere Töne. Der rechtsextreme Polizeiminister Itamar Ben-Gvir zeigte sich laut Berichten sogar stolz über das Vorgehen. „Wer Terror unterstützt, ist ein Terrorist und verdient die Bedingungen, die Terroristen zustehen“, ließ er verlauten. Eine klare Ansage, die die Kluft zwischen den Darstellungen weiter vertieft.
Kritik auch am eigenen Außenministerium
Die Wut der Aktivisten richtet sich aber nicht nur gegen Israel. Auch das österreichische Außenministerium gerät ins Visier. Marlene Engelhorn, prominente Millionenerbin und ebenfalls Teil der österreichischen Delegation, findet deutliche Worte. Sie wirft dem Ministerium vor, nicht entschieden genug gehandelt zu haben. „Die richtige Reaktion wäre gewesen, die illegalen Handlungen von Israel öffentlich zu verurteilen“, kritisiert Engelhorn in einer Aussendung. Man warte bis heute auf eine offizielle Stellungnahme zum Umgang mit den österreichischen Bürgern.
Das Außenministerium kontert die Vorwürfe und erklärte gegenüber der APA, man habe die israelische Seite mehrmals aufgefordert, die Menschenrechte der Österreicher zu achten. Zudem habe die österreichische Botschaft in Tel Aviv die Festgesetzten besucht und sich um deren Anliegen gekümmert. Doch für die heimgekehrten Aktivisten scheint das bei Weitem nicht genug gewesen zu sein. Der Skandal um die Gaza-Flotte hat damit wohl erst sein nächstes, brisantes Kapitel aufgeschlagen.
Quellen:
Die Presse
Austria Presse Agentur
Presseaussendungen und öffentliche Stellungnahmen von Julian Schütter
Presseaussendung und Statement von Marlene Engelhorn
Offizielle Mitteilungen des österreichischen Außenministeriums
Stellungnahmen des israelischen Außenministeriums und Polizeiministers Itamar Ben-Gvir
Credits: APA
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