Das Burgenland warb 50 Pflegekräfte von den Philippinen an, gab dafür fast zwei Millionen Euro aus – und hat heute keine Ahnung, wie viele noch im Land arbeiten. Die FPÖ nennt das ein „Experiment“, die Landesregierung verteidigt es als Pionierarbeit.
Das Programm: Doskozils Antwort auf den Pflegemangel
Der Hintergrund ist real und ernst. Wie das Land Burgenland in einer offiziellen Aussendung von September 2023 dokumentierte, werden bis 2030 allein im Burgenland rund 1.700 zusätzliche Pflegekräfte benötigt – das geht auf eine Studie der Gesundheit Österreich GmbH zurück. Als Reaktion darauf initiierte Landeshauptmann Hans Peter Doskozil (SPÖ) ein Rekrutierungsprojekt in den Philippinen. Wie oe24 berichtete, wurden die Sozialen Dienste Burgenland (SDB) Ende 2022 mit der Abwicklung beauftragt – mit einem Budget von 1.794.800 Euro. Insgesamt 50 philippinische Pflegekräfte wurden im Rahmen des Programms angeworben, nach Österreich geholt und in Stadtschlaining untergebracht, wo sie zunächst Deutschkurse absolvierten und Praktika in burgenländischen Pflegeeinrichtungen begannen.
Das Problem: Niemand weiß, wie viele noch da sind
Wie oe24 berichtete, fehlen heute aktuelle Zahlen darüber, wie viele der angeworbenen Pflegekräfte noch in einem aufrechten Beschäftigungsverhältnis stehen. FPÖ-Landtagsabgeordneter Mario Jaksch macht daraus eine politische Attacke auf die SPÖ-Landesregierung: „Fast zwei Millionen Euro Steuergeld wurden im Rahmen des Manila-Experiments des Systems Doskozil verbrannt. Und heute weiß offenbar niemand mehr, wo sich ein Teil der angeworbenen Pflegekräfte überhaupt befindet.“
Landesrat Schneemann: Strukturell nicht nachverfolgbar
Das Büro von Soziallandesrat Leonhard Schneemann (SPÖ) räumt auf oe24-Anfrage ein, dass tatsächlich keine aktuellen Daten vorliegen – erklärt das aber mit der Struktur des Programms. Wie oe24 berichtete, erklärte das Büro: Von den 50 Pflegekräften hätten 43 ihre Ausbildung und Nostrifikation erfolgreich abgeschlossen und seien anschließend an unterschiedliche Träger vermittelt worden. „Weder das Land noch die SDB erhalten Rückmeldungen über laufende Beschäftigungsverhältnisse bei anderen Trägern. Daher liegen keine aktuellen Informationen über den derzeitigen Beschäftigungsstatus der vermittelten Pflegekräfte vor – so wie das grundsätzlich auch bei anderen Pflegekräften nicht der Fall ist.“
Sieben kehrten zurück – auf eigene Kosten
Die verbleibenden sieben Pflegekräfte konnten die Nostrifikation laut Landesrat-Büro aufgrund unzureichender Deutschkenntnisse nicht abschließen und kehrten auf die Philippinen zurück. Wie oe24 berichtete, mussten sie die Ausbildungskosten – wie vertraglich vereinbart – zurückzahlen.
Burgenland plant bereits das nächste Programm
Das Philippinen-Projekt bleibt laut ORF Burgenland vorerst ein Einzelprojekt – weitere Rekrutierungen von den Philippinen seien nicht geplant. Derzeit versuche das Land, zusätzliche 50 Pflegekräfte aus Indien zu gewinnen. Die Landesregierung verteidigt ihren Ansatz gegenüber oe24 offensiv: „Während andere nur Probleme beschreiben, handelt das Burgenland. Wir setzen gezielt Pilotprojekte um, um zusätzliche Pflegekräfte für das Pflege- und Gesundheitssystem zu gewinnen.“
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