Ein enger, langjähriger wissenschaftlicher Berater von Anthony Fauci hat sich vor einem US-Bundesgericht schuldig bekannt – wegen Verschwörung zur Umgehung von Auskunftspflichten im Zusammenhang mit Corona-Forschungsförderungen. Der Fall wirft neues Licht auf die Debatte um den Ursprung des Coronavirus, auch wenn Fauci selbst in der Anklage nicht als Beteiligter genannt wird.
Der Schuldspruch im Detail
Wie das US-Justizministerium (DOJ) in einer offiziellen Pressemitteilung des Bezirksstaatsanwalts von Maryland bekanntgab, bekannte sich David M. Morens, 78, am Montag vor Gericht in Greenbelt, Maryland, der Verschwörung zur Begehung von Straftaten sowie zum Betrug am US-Staat schuldig. Morens war von 2006 bis 2022 hochrangiger Berater im Büro des Direktors des National Institute of Allergy and Infectious Diseases (NIAID) – jener Behörde, die Fauci über Jahrzehnte leitete. Laut US-Bundesanwältin Kelly O. Hayes drohen Morens dafür bis zu fünf Jahre Haft, wobei tatsächlich verhängte Strafen in der Praxis meist unter dem Höchstmaß liegen.
Der Auslöser: Eine gestrichene Fördergelder-Zusage
Ursprung des Falls ist ein Forschungsprojekt zu Fledermaus-Coronaviren mit dem Titel „Understanding the Risk of Bat Coronavirus Emergence“, das die US-Gesundheitsbehörde NIH ursprünglich einem Unternehmen sowie einem in den Gerichtsdokumenten nur als „Co-Conspirator 1“ bezeichneten Wissenschaftler zugesprochen hatte – inklusive einer Weiterleitung von Fördermitteln an das Wuhan-Institut für Virologie (WIV). Als die NIH diese Förderung nach Vorwürfen strich, wonach Corona aus genau diesem Labor stammen könnte, verschworen sich Morens und ein weiterer Mitbeteiligter laut eigenem Geständnis, dem betroffenen Wissenschaftler zur Wiederherstellung der Förderung zu verhelfen und der Erzählung eines möglichen Laborlecks entgegenzuwirken.
Ein geheimes Gmail-Konto zur Umgehung von Auskunftsanfragen
In Erwartung möglicher Anfragen nach dem US-Informationsfreiheitsgesetz (FOIA) vereinbarten die Beteiligten laut DOJ schriftlich, künftig über Morens‘ privates Gmail-Konto statt über seine dienstliche NIH-Adresse zu kommunizieren, um ihre Kommunikation gezielt der Öffentlichkeit zu entziehen. Über dieses Konto tauschten sie nicht-öffentliche NIH-Informationen aus, stimmten Entwürfe von Schreiben an die NIH-Führung ab und leiteten Informationen „im Hintergrund“ an einen hochrangigen NIAID-Funktionär weiter. Laut Gerichtsdokumenten hätten all diese Vorgänge eigentlich als amtliche Aufzeichnungen auf offiziellen Regierungssystemen geführt werden müssen.
Wein und Sterne-Restaurants als „Gegenleistung“
Zusätzlich gestand Morens laut DOJ, gemeinsam mit dem betroffenen Wissenschaftler illegale Zuwendungen vereinbart zu haben. Dieser schenkte Morens Wein als Dank für dessen „Kulissen-Machenschaften“ und ließ ihn an dessen Wohnadresse in Maryland liefern. Morens identifizierte daraufhin eine offizielle Handlung, mit der er sich das Geschenk „verdienen“ könne: das Verfassen eines wissenschaftlichen Kommentars in einem renommierten Fachjournal, der für einen natürlichen Ursprung von Corona plädierte. Als weitere mögliche Zuwendung waren laut DOJ zudem Essen in Michelin-Sterne-Restaurants in Paris, New York und Washington im Gespräch.
Wichtige Einordnung: Fauci wird von der DOJ nicht belastet
Zur journalistischen Sorgfalt gehört ein entscheidender Punkt, der in der reißerischen Überschrift mancher Berichterstattung untergeht: In der offiziellen DOJ-Pressemitteilung wird Anthony Fauci an keiner Stelle namentlich als Mitverschwörer, Beschuldigter oder in irgendeiner Form strafrechtlich Beteiligter genannt. Die Anklage und das Geständnis beziehen sich ausschließlich auf Morens sowie zwei nicht namentlich genannte Mitverschwörer. Faucis Rolle im vorliegenden Verfahren beschränkt sich auf den Umstand, dass Morens als sein langjähriger, enger wissenschaftlicher Mitarbeiter fungierte – dies allein stellt keinen Beleg für ein Fehlverhalten Faucis selbst dar.
Ein Fall mit weiterreichendem Kontext
Der Fall reiht sich dennoch in eine größere Debatte um die Aufarbeitung der frühen Pandemie-Kommunikation ein. Bereits zuvor hatte der britische Wissenschaftler Sir Jeremy Farrar, der 2020 im E-Mail-Austausch mit Fauci über die ersten Wochen des Corona-Ausbruchs stand, seinen Posten bei der Weltgesundheitsorganisation geräumt – Kritiker werfen ihm vor, die Labor-Leck-These damals bewusst kleingeredet zu haben. Fauci selbst hatte die Theorie eines Laborursprungs wiederholt öffentlich als unwahrscheinlich zurückgewiesen.
Was der Fall tatsächlich beweist – und was nicht
Morens‘ Geständnis belegt gerichtsfest, dass er gezielt amtliche Kommunikation verschleierte, um öffentliche Auskunftsanfragen zu umgehen, und dabei unzulässige Zuwendungen annahm. Es belegt hingegen nicht, dass die Labor-Leck-These tatsächlich zutrifft, noch dass Fauci selbst an der beschriebenen Verschwörung beteiligt war – beides bleibt Gegenstand weiterhin offener wissenschaftlicher beziehungsweise rechtlicher Fragen.
Credits: Screenshot Wikipedia-Video
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