Ein Kooperationsabkommen, das kaum jemand bemerkte – und das weitreichende Folgen haben könnte. Diyanet-Chef Ali Erbas reiste im Mai 2025 nach Wien und unterzeichnete mit IGGÖ-Präsident Ümit Vural ein Abkommen. Dahinter steckt eine jahrelange Strategie: die Fernsteuerung des österreichischen Islam durch Ankara.
ATIB – Österreichs größter Islamverband als Ankara-Instrument
Die Türkisch-Islamische Union für kulturelle und soziale Zusammenarbeit in Österreich – kurz ATIB – ist mit Abstand der größte muslimische Verband in Österreich. Wie nachrichten.at dokumentiert, gilt ATIB als verlängerter Arm der türkischen Religionsbehörde Diyanet und von Erdogans AKP-Partei. Der Verband stellt den Moscheegemeinden staatliche Imame direkt aus der Türkei zur Verfügung – sie kommen, predigen und kehren wieder zurück. Integration in die österreichische Gesellschaft ist dabei strukturell nicht vorgesehen.
Die Konsequenz: Seit 2016 stellt ATIB mit Ibrahim Olgun – und aktuell mit Ümit Vural – den Präsidenten der Islamischen Glaubensgemeinschaft in Österreich (IGGÖ), der einzigen staatlich anerkannten Vertretung der Muslime in Österreich. Wer ATIB kontrolliert, kontrolliert die IGGÖ – und damit den staatlich finanzierten islamischen Religionsunterricht an österreichischen Schulen sowie die offizielle Vertretung von mehr als 600.000 Muslimen im Land.
Kooperationsabkommen mit Diyanet – unbeachtet von Politik und Medien
Wie exxpress.at berichtet, unterzeichneten Diyanet-Chef Ali Erbas und IGGÖ-Präsident Ümit Vural im Mai 2025 in Wien ein formelles Kooperationsabkommen – begleitet vom türkischen Botschafter und dem Wiener Religionsattaché der türkischen Botschaft. Vural freute sich laut exxpress.at über den hohen Besuch: „Der Austausch mit internationalen Partnern wie der Diyanet bereichert unsere Arbeit und eröffnet neue Perspektiven für die Islamische Glaubensgemeinschaft in Österreich.“
Dass dieser „internationale Partner“ eine staatliche Behörde ist, die direkt der türkischen Regierung untersteht, blieb in der offiziellen Stellungnahme unerwähnt. Das Abkommen wurde von österreichischen Medien und der Politik weitgehend ignoriert.
Stratejik Plan: Islam als außenpolitisches Instrument
Hintergrund ist der sogenannte „Stratejik Plan“ der Diyanet – ein Fünfjahresplan, der die systematische Ausweitung des türkischen Einflusses auf die muslimischen Diaspora-Gemeinden in Europa vorsieht. NGOs und türkische Botschaften spielen dabei laut exxpress.at eine zentrale Rolle. Türkeiexperte Ralph Ghadban ordnet das gegenüber Haolam ein: ATIB und sein deutsches Pendant DITIB hätten die Aufgabe, „die offizielle Version des Islam der türkischen Regierung zu installieren.“ Beide seien der „erweiterte Arm“ Erdogans – und würden türkischen Nationalismus als Mittel gegen Integration der Diaspora nutzen.
Österreichisches Islamgesetz als Bollwerk – unter Druck
Das österreichische Islamgesetz von 2015 war eigentlich als Schutz vor Auslandsfinanzierung konzipiert: Islamische Verbände sollten sich selbst finanzieren, ausländische Einflussnahme war untersagt. Wie sicut.at dokumentiert, wurde ATIB zum Zeitpunkt seiner Gründung als „dauernd der Leitung, Kontrolle und Aufsicht“ des türkischen Staates unterstehend eingestuft. Wie diese Konstruktion mit dem Islamgesetz vereinbar ist, hat die österreichische Politik bislang nicht abschließend beantwortet.
Credits: APA
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