Innerhalb von zwei Tagen ordnete er die Schließung an – und machte sie wieder rückgängig. Der türkische Präsident Recep Tayyip Erdoğan hat sein umstrittenes Schließungsdekret für die renommierte Bilgi-Universität in Istanbul kassiert. Studentenproteste und internationale Aufmerksamkeit machten den politischen Rückzieher nötig.
Dekret am Freitag, Gegendekret am Sonntag
Wie APA/sn.at berichtet, trat Erdoğans ursprüngliches Schließungsdekretz für die Bilgi-Universität erst am Freitag, dem 22. Mai, in Kraft. Bereits zwei Tage später – am Sonntag – wurde im türkischen Amtsblatt ein neues Dekret veröffentlicht, das die Schließungsanordnung wieder aufhebt. Begründung für das ursprüngliche Dekret war laut tt.com ein angeblich „unzureichendes“ Bildungsniveau der Einrichtung gewesen.
Der Zeitpunkt war besonders brisant: Die Schließung erfolgte genau einen Monat vor den für Juni geplanten Abschlussprüfungen – für mehr als 20.000 Studierende eine existenzielle Bedrohung ihres Studienabschlusses.
Hunderte Studenten protestierten vor der Universität
Wie epochtimes.de unter Berufung auf AFP-Fotodokumentation berichtet, versammelten sich am Sonntag Hunderte Studierende vor dem Uni-Gebäude und demonstrierten gegen die Schließung. Bilder zeigten Studierende, die Bereitschaftspolizisten gegenübersaßen. Die Proteste erzeugten schnell internationale Aufmerksamkeit – auch deshalb, weil die 1996 gegründete Bilgi-Universität als liberal und weltoffen gilt und am EU-Erasmus-Austauschprogramm teilnimmt. Unter den Studierenden sind damit auch zahlreiche europäische Austauschstudenten.
Bilgi gilt als Symbol liberaler Hochschulbildung
Die Bilgi-Universität steht in der Türkei für eine Hochschulkultur, die sich bewusst von staatlich kontrollierten Bildungsinstitutionen abgrenzt. Wie news.at festhält, gilt die Universität als eine der renommiertesten Privatunis des Landes. Erdoğans Schließungsanordnung wurde von Beobachtern als politisch motivierter Schlag gegen die akademische Unabhängigkeit gewertet – ein Muster, das zuletzt auch im Fall des Istanbuler Bürgermeisters Ekrem İmamoğlu sichtbar wurde, dessen Universitätsdiplom im März 2026 von der Istanbuler Universität für ungültig erklärt wurde.
Credits: APA
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