Innerhalb von nur einem Monat sind in Frankreich drei namhafte Kritiker von Präsident Emmanuel Macron gestorben – alle unter Umständen, die die Staatsanwaltschaft jeweils als Selbstmord wertet. Angehörige und Opposition verlangen inzwischen eine unabhängige Untersuchung, da sich die Erklärungen der Behörden von Fall zu Fall ähneln.
7. Juli: Olivier Marleix (54)
Den vorerst letzten Todesfall meldete die Agentur AFP am späten Montagnachmittag: Olivier Marleix, langjähriger Abgeordneter der konservativen Les Républicains (LR), sei in seinem Haus in Anet erhängt aufgefunden worden. Marleix galt als scharfzüngiger Parlamentarier, zuletzt profilierte er sich als skeptische Stimme bei der Reform der Einwanderungsgesetze. Die Nachricht erschütterte politische Weggefährten von Nicolas Sarkozy bis Marine Le Pen, die unisono von einem „respektvollen Gegner“ sprachen. Hinweise auf Fremdeinwirkung lägen nicht vor, erklärte die Staatsanwaltschaft Chartres.
29. Juni: François Favre (58)
Gut eine Woche zuvor soll der plastische Chirurg François Favre nach einem Sturz aus dem Fenster seiner Pariser Wohnung gestorben sein. Favre war auf einschlägigen Blogs als möglicher Informant in Gerüchten um Brigitte Macron genannt worden. Doch eine AFP‑Faktenrecherche fand keine Spur eines Arztes dieses Namens in Berufsregistern oder Kliniklisten – die gesamte Story, inklusive angeblicher Schwester „Anne Dupont“, könnte eine Fälschung sein. Favre, so legt die Recherche nahe, soll gar nicht existieren.
12. Juni: Éric Denécé (62)
Bereits Mitte Juni wurde der frühere Marineoffizier und Direktor des Centre Français de Recherche sur le Renseignement (CF2R), Éric Denécé, leblos in seiner Pariser Wohnung aufgefunden, ebenfalls erhängt. Offizielle Todesursache: Suizid. Familienangehörige und Kollegen bestritten das umgehend, sprachen von „Drohungen“ gegen den Russland-freundlichen Analysten. Regionale Medien wie La Dépêche berichten über ähnliche Zweifel im Umfeld des Verstorbenen.
Bisher wenige Antworten
Allen drei Fällen gemein ist eine schnelle Festlegung der Behörden auf Selbsttötung – und das trotz fehlender Abschiedsschreiben oder offensichtlich vorangegangener psychischer Krisen, wie Freunde berichten. Während der Tod von Marleix durch seriöse Medien bestätigt ist, zerplatzt die Favre‑Geschichte als bewusste Falschmeldung; Denécés Ableben bleibt Gegenstand teils widersprüchlicher Berichte.
Oppositionspolitiker fordern nun einen parlamentarischen Sonderausschuss, um „jede politische Einflussnahme“ auszuschließen. Das Innenministerium verweist auf laufende Ermittlungen und warnt vor „voreiligen Spekulationen“.
Schweigen im Ausland
Bemerkenswert ist, dass die Todesserie in deutschsprachigen Leitmedien bislang kaum Echo fand. Kommunikationsforscher sehen darin ein Risiko: Desinformation und echte Verdachtsmomente vermischen sich, wenn etablierte Redaktionen das Thema ignorieren. Das erleichtere radikalen Influencern den Aufbau von Narrativen, in denen jeder Todesfall automatisch als politischer Mord inszeniert werde.
Credit: APA
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