Die politische und historische Auseinandersetzung um Franz Dinghofer, einem der Gründerväter der Republik Österreich, erhitzt aktuell die Gemüter. Anlass ist ein von der FPÖ organisiertes Symposium, das Dinghofer ehren soll. Kritiker werfen dem einstigen Linzer Bürgermeisters und Republikbegründer Antisemitismus und Verbindungen zum Nationalsozialismus vor, während die FPÖ die Vorwürfe vehement zurückweist und Dinghofer als Opfer des NS-Regimes darstellt.
Die FPÖ und die Sicht auf Franz Dinghofer
Christian Hafenecker, Generalsekretär der FPÖ, spricht ausdrücklich von einer „Rufmordkampagne“ gegen Dinghofer. Er betont, dass die Fakten zeigen würden, dass Dinghofer kein Täter, sondern ein Opfer der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft war. Er verweist dabei auf die Verfolgung Dinghofers durch das NS-Regime und dessen Absetzung als Präsident des Obersten Sanitätsrats 1938. Nach Angaben der FPÖ wurden die Vorwürfe gegen Dinghofer durch eine umfassende Darstellung der Primärquellen widerlegt, die dessen nicht-täterhaftes Verhalten belegen sollen (FPÖ-Pressemeldung, 4. November 2025).
Die Partei hebt hervor, dass Dinghofer im Jahr 1938 von den Nationalsozialisten verfolgt worden sei. Zudem soll Dinghofer sich nachweislich gegen nationalsozialistische Übergriffe eingesetzt und sich für jüdische Mitbürger engagiert haben, was ihn nach Auffassung der FPÖ als Opfer des Regimes kennzeichnet (FPÖ-Pressemeldung).
Kritik von Historikern und Wissenschaftlern
Demgegenüber warnen zahlreiche Zeithistoriker vor einer Verklärung und ehren Dinghofer, obwohl er als „bekennender Großdeutscher“ und Antisemit gilt. So weist die Historikergruppe darauf hin, dass Dinghofer in den 1920er Jahren eindeutig antisemitische Positionen vertreten habe und mit dem Großdeutschland-Gedanken sympathisierte. Weiter berichten mehrere Quellen, dass Dinghofer sich 1940 um die Aufnahme in die NSDAP bemühte und die Parteimitgliedschaft erhielt (Der Standard, 2025; ORF, 2025).
Auch wird kritisch angemerkt, dass Dinghofer von NS-Nachrichtenblättern wie dem „Völkischen Beobachter“ positiv dargestellt wurde, was seine Nähe zu nationalsozialistischem Gedankengut illustriert. Historiker bemängeln, dass eine Veranstaltung im Parlament, die Dinghofer ehren will, diesem gesellschaftspolitisch belasteten Erbe Rechnung tragen müsse und keine einseitige Verklärung erfolgen dürfe (Nachrichten.at, 2025; Der Standard, 2025).
Primärquellen zum NS-Zeitalter
Die im Netz frei verfügbaren biografischen Dokumente und Archivalien der Stadt Linz weisen darauf hin, dass Dinghofer während der NS-Zeit mehrfach geschützt wurde, etwa durch Interventionen seines Anwalts gegen Enteignungen und Verfolgungen. Dies wird von den Verteidigern Dinghofers als Beleg genommen, dass er selbst unter Repressionsmaßnahmen litt (Stadtgeschichte Linz).
Allerdings würden Akten aus dem Bundesarchiv Dinghofer 1940 eine Zugehörigkeit zur NSDAP nachweisen, was historisch für Kontroversen sorgt. Während sich die FPÖ in ihrer Aussendung folgendermaßen dazu äußert: „Eine aktive NSDAP-Mitgliedschaft ist nicht belegt, die Unterlagen sind widersprüchlich und teilweise ohne seine Unterschrift – mehrere NS-Stellen attestierten ihm ausdrücklich, „nie Nationalsozialist gewesen zu sein“, sieht das Mauthausen-Komitee den „Beweis“ längst erbracht:
Aus einer Anfrage des Komitees beim Bundesarchiv in Berlin im Jahr 2021 gehe hervor, dass Franz Dinghofer am 18. April 1940 die Aufnahme in die NSDAP beantragt habe – dieser soll am 1. Juli 1940 genehmigt worden sein. (Mitglieds-Nummer: 8450902). „Soweit wir wissen, hat Franz Dinghofer kein Verbrechen begangen. Aber er hat ein Verbrecherregime unterstützt“, so Willi Mernyi, Vorsitzender des Mauthausen Komitees, gegenüber heute.at (13.09.2021).
Schlussbetrachtung
Die aktuelle mediale und wissenschaftliche Auseinandersetzung zeigt klar, dass Franz Dinghofer eine komplexe historische Figur ist, die nicht leicht nach heutiger Sicht zu kategorisieren ist. Die FPÖ stellt ihn als Opfer des NS-Regimes dar, was durch bestimmte Dokumente gestützt wird. Zeitgleich wird von Experten sein antisemitisches und nationalsozialistisches Umfeld hervorgehoben, was eine kritische Würdigung verlangt.
Quellen:
- FPÖ-Pressemeldung vom 4. November 2025: https://www.ots.at/presseaussendung/OTS_20251104_OTS0057/fpoe-hafenecker-rufmordkampagne-gegen-republikgruender-dinghofer-entlarvt-fakten-zeigen-er-war-opfer-des-ns-regimes-kein-taeter
- Der Standard, Historikerwarnungen zu Dinghofer (2025): https://www.derstandard.de/story/3000000294836/historiker-warnen-fpoe-ehrt-im-parlament-antisemiten-dinghofer
- ORF-Reportage über Dinghofer (2025): https://orf.at/stories/3410456/
- Stadtgeschichte Linz – Biografie Dinghofer: https://stadtgeschichte.linz.at/media/biographien/biographie_dinghofer_franz.pdf
- Nachrichten.at, Kritik am Symposium: https://www.nachrichten.at/politik/innenpolitik/kritik-an-geplantem-symposium-zu-ehren-des-frueheren-linzer-buergermeisters-franz-dinghofer;art385,4104581
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