Mailand – Sie ist die Königin der Influencer, doch jetzt steht Chiara Ferragni (38) vor Gericht. Der Vorwurf: Betrug und unlautere Geschäftspraktiken. Die Modeikone, die mit über 28 Millionen Followern weltweit gefeiert wird, sieht sich schweren Anschuldigungen ausgesetzt.
„Pandoro-Gate“: Ein süßer Skandal mit bitterem Beigeschmack
Es begann mit einem vermeintlich wohltätigen Projekt: Ferragni brachte 2022 gemeinsam mit dem Süßwarenhersteller Balocco einen Pandoro – eine traditionelle italienische Weihnachtsmehlspeise – auf den Markt. Der Clou? Ein Teil der Einnahmen sollte angeblich an das Kinderspital Regina-Margherita in Turin gehen. Doch wie die italienische Wettbewerbsbehörde aufdeckte, war die Spende von 50.000 Euro bereits vor Verkaufsstart überwiesen worden – unabhängig von den tatsächlichen Einnahmen. Der Rest? Landete offenbar in den Taschen von Ferragnis Firmen Fenice und TBS Crew, die laut Berichten über eine Million Euro verdienten. Die Folge: Eine saftige Geldstrafe von einer Million Euro für Ferragni und Balocco.
Ostereier und weitere Vorwürfe
Doch damit nicht genug. Kurz nach dem „Pandoro-Gate“ geriet Ferragni erneut ins Visier der Behörden. Diesmal ging es um Ostereier des Herstellers Dolci Prezioso. Auch hier wurde den Kunden suggeriert, dass ein Teil der Einnahmen an wohltätige Projekte fließen würde. Doch die Realität sah anders aus. Die Kartellbehörde einigte sich schließlich mit Ferragni auf eine Zahlung von 1,2 Millionen Euro an die Organisation „I Bambini delle Fate“, die sich für Kinderprojekte einsetzt.
Ferragni kämpft um ihre Unschuld
Die Vorwürfe wiegen schwer, doch Ferragni gibt sich kämpferisch. „Ich werde mit dieser ungerechten Anschuldigung leben müssen, aber ich bin bereit, meine Unschuld zu beweisen“, erklärte sie in einer Pressemitteilung. Sollte sie verurteilt werden, drohen ihr bis zu fünf Jahre Haft.
Ein Gesetz für mehr Transparenz
Der Skandal hat auch politische Wellen geschlagen. Italiens Ministerpräsidentin Giorgia Meloni kündigte strengere Regeln für Influencer an. Ein neues Gesetz soll für mehr Transparenz sorgen und unlautere Geschäftspraktiken verhindern. Wer sich nicht daran hält, muss mit Geldstrafen von bis zu 600.000 Euro rechnen.
Ein Image in Trümmern?
Die Ermittlungen haben Ferragni bereits jetzt teuer zu stehen. Coca-Cola zog einen Werbespot mit der Influencerin zurück, und ihr Ruf als „authentische“ Unternehmerin hat erheblich gelitten. Medienexperte Nils Borchers kommentierte: „Die Reaktionen zeigen, dass die Erwartungen an Authentizität und Ehrlichkeit bei Influencern noch existieren.“
Quellen: ORF.at, Der Standard, AGCOM
Credits: APA
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