Fehlende Ausschreibungen, überschrittene Fixgehälter und kaum Frauen in Führungspositionen: Ein neuer Prüfbericht bringt die Landesholding Burgenland unter Druck.
Der Burgenländische Landes-Rechnungshof hat die Geschäftsführungsverträge innerhalb des Konzerns der Landesholding unter die Lupe genommen – und dabei eine Reihe von Mängeln festgestellt. Geprüft wurden stichprobenartig 52 Unternehmen sowie die Verträge von insgesamt 55 Geschäftsführerinnen und Geschäftsführern. Der Prüfzeitraum erstreckte sich von Jänner 2021 bis Ende März 2025.
Das zentrale Ergebnis: Gesetzliche Vorgaben und konzerninterne Richtlinien wurden laut Rechnungshofdirektor René Wenk nicht durchgängig eingehalten.
Zwei Drittel der Ausschreibungen mangelhaft oder gar nicht erfolgt
Besonders deutlich fällt die Kritik bei der Besetzung von Geschäftsführungspositionen aus. Insgesamt 50 der geprüften Unternehmen unterlagen dem Stellenbesetzungsgesetz und hätten ihre Führungsfunktionen öffentlich ausschreiben müssen.
Doch lediglich 32 Prozent der Positionen wurden laut Prüfung ordnungsgemäß ausgeschrieben. Weitere 34 Prozent erfüllten die Vorgaben nur teilweise. Bei den übrigen 34 Prozent soll überhaupt keine öffentliche Ausschreibung erfolgt sein.
Damit wurde nur knapp jede dritte untersuchte Geschäftsführerposition korrekt ausgeschrieben.
Interimistische Bestellungen ohne erkennbare Dringlichkeit
In einzelnen Fällen wurden Geschäftsführer interimistisch eingesetzt, ohne dass zuvor eine öffentliche Ausschreibung stattgefunden hatte. Eine besondere Dringlichkeit oder andere nachvollziehbare Ausnahmegründe konnten die Prüfer dabei offenbar nicht feststellen.
Auch wenn bestehende Mitarbeiter eines Landesunternehmens zusätzlich eine Geschäftsführungsfunktion übernahmen, wurde vielfach auf eine Ausschreibung verzichtet. Die Landesholding argumentiert, diese Funktionen seien unentgeltlich ausgeübt worden und es seien ohnehin keine geeigneten Bewerber zu erwarten gewesen.
Der Landes-Rechnungshof ließ diese Argumentation allerdings nicht gelten. Teilweise seien Prämien und Überstunden ausbezahlt worden. Zudem hätten die Betroffenen ihre Geschäftsführertätigkeit während der regulären Dienstzeit ausgeübt.
Fixgehälter in drei Fällen überschritten
Auch bei der Entlohnung stellte der Rechnungshof Unregelmäßigkeiten fest. In drei Fällen wurde das vertraglich vereinbarte Fixgehalt überschritten. Zwei der betroffenen Personen zahlten die entsprechenden Beträge noch während der laufenden Prüfung zurück.
Darüber hinaus war bei einigen Besetzungsverfahren nicht ausreichend dokumentiert, ob die ausgewählten Kandidaten tatsächlich sämtliche in der Ausschreibung genannten Voraussetzungen erfüllten.
Frauenanteil bleibt bei nur 19 Prozent
Kritik gibt es auch an der geringen Zahl von Frauen in den Führungsetagen. Unter den geprüften Personen befanden sich lediglich elf Geschäftsführerinnen, während 44 Positionen von Männern besetzt waren. Der Frauenanteil lag damit konstant bei rund 19 Prozent und zeigte im Prüfzeitraum keine erkennbare Verbesserung.
Landesholding widerspricht in entscheidenden Punkten
Die Landesholding erklärt, den Prüfbericht ernst zu nehmen und bereits zahlreiche Empfehlungen umgesetzt zu haben. Unter anderem seien die Compliance-Regeln verschärft, die Dokumentation von Hearings verbessert und irrtümlich zu hoch ausbezahlte Gehaltsbestandteile vollständig zurückgeführt worden.
Bei der rechtlichen Beurteilung der Stellenbesetzungen bleibt die Holding jedoch bei ihrer bisherigen Position. Unentgeltlich übernommene Geschäftsführungsfunktionen innerhalb des Konzerns sowie interimistische Bestellungen seien nach Ansicht der Landesholding zulässig. Der Landes-Rechnungshof vertritt hier eine deutlich strengere Rechtsauffassung.
Landeshauptmann Hans Peter Doskozil habe als Aufsichtsratsvorsitzender nach Bekanntwerden der Auffälligkeiten eine vollständige Aufarbeitung und entsprechende Konsequenzen angeordnet. Beanstandete Aufwendungen seien rückerstattet, Verwarnungen ausgesprochen und die interne Revision eingeschaltet worden.
Opposition sieht dringenden Handlungsbedarf
Die politischen Reaktionen fallen erwartungsgemäß unterschiedlich aus. SPÖ-Rechnungshofsprecher Christian Dax sieht in dem Bericht wichtige Hinweise für die Weiterentwicklung der Strukturen und Abläufe.
FPÖ-Mandatar Thomas Grandits spricht hingegen von dringendem Handlungsbedarf. ÖVP-Landesparteiobmann Christoph Zarits erklärte, der Landes-Rechnungshof bringe mit seinem Bericht „Licht ins Dunkel der Holding“.
Die Ergebnisse werfen jedenfalls eine zentrale Frage auf: Wie transparent und nachvollziehbar wurden lukrative Führungspositionen im weitverzweigten Konzern des Landes tatsächlich vergeben?
Credits: Symbolbild / KI-generiert
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