Ein Nationalratspräsident ernennt einen Parlamentsdirektor. Klingt nach Routine. Ist es nicht – denn wie nun bekannt wurde, verbindet beide eine Burschenschaft mit belasteter Geschichte.
Was bisher bekannt war – und was nicht
Wie der Standard unter Berufung auf Recherchen von „Stoppt Die Rechten“ berichtete, war bisher öffentlich bekannt, dass der neue Parlamentsdirektor Roland Weinert Alter Herr der schlagenden Burschenschaft Suevia Innsbruck ist. Was hingegen nicht bekannt war: Weinert ist auch Alter Herr der Gothia Wien. Diese fusionierte laut Standard im Herbst 2025 mit der Burschenschaft Libertas Wien – jener Verbindung, der Nationalratspräsident Walter Rosenkranz (FPÖ) angehört. Damit sind Rosenkranz und Weinert „Bundesbrüder“ im selben Burschenschaftsverband.
Burschenschafter empfahl Burschenschafter
Die Verbindung reicht tiefer. Wie der Standard berichtete, führte den Vorsitz der Begutachtungskommission, die Weinert als bestgeeigneten Kandidaten empfahl, Andreas Reichhardt – derzeit Sektionschef im Finanzministerium und selbst Burschenschafter. Auch Reichhardt wurde von Rosenkranz für diesen Posten bestellt. Wie der Standard weiter berichtete, legte der grüne Abgeordnete Lukas Hammer seiner parlamentarischen Anfrage ein Foto von Reichhardt bei – es zeigt ihn bei einer Wehrsportübung gemeinsam mit Burschenschaftern, Neonazis und dem ehemaligen FPÖ-Chef Heinz-Christian Strache.
Weinerts FPÖ-Biografie
Weinerts politische Verortung ist klar dokumentiert. Wie Wikipedia und nachrichten.at festhielten, begann er seine Karriere als Kabinettsmitarbeiter der FPÖ-Vizekanzlerin Susanne Riess-Passer, war von Ende 2017 bis 2019 Generalsekretär und zeitweise Kabinettschef von Vizekanzler Heinz-Christian Strache und gründete 2009 die FPÖ-Ortsgruppe Breitenfurt.
Die Libertas: Arierparagraf und NS-Verstrickungen
Die Burschenschaft Libertas steht seit Langem in der Kritik. Wie der Standard berichtete, führte die Libertas als erste Studentenverbindung in der Monarchie einen sogenannten Arierparagrafen ein, der Juden von der Mitgliedschaft ausschloss. Rosenkranz bezeichnet diesen Fakt laut Standard gerne als überholt – bezeichnete aber in einem Sammelband der Libertas Männer als „Leistungsträger“, die Nationalsozialisten waren, darunter Hans Stich, der als NS-Generalstaatsanwalt viele Widerstandskämpfer ermorden ließ.
Wie der Standard weiter berichtete, stand Rosenkranz bis in die Gegenwart „hinter der Entscheidung“, dass der Bund Freier Jugend 2008 mit einem Preis der Libertas ausgezeichnet wurde – mit der Begründung, der BFJ habe sich für „volkstreue Aktivitäten stärkster staatlicher Repression“ ausgesetzt. Tatsächlich war gegen BFJ-Kader wegen des Verdachts auf Wiederbetätigung ermittelt worden.
Grüne bringen 28 Fragen ein
Wie der Standard berichtete, bringt Grünen-Abgeordneter Lukas Hammer am Donnerstag eine parlamentarische Anfrage mit 28 Fragen ein. Er will unter anderem wissen, wie viele Bewerber tatsächlich gehört wurden, wie viele Burschenschafter im Büro von Rosenkranz sitzen und warum ausgerechnet Reichhardt zum Kommissionsvorsitzenden bestellt wurde. Zur Gothia Wien stellt Hammer Fragen zur dokumentierten Traditionspflege rund um Personen wie Georg von Schönerer und Heinrich Srbik, die laut Hammer positiv auf „deutschnationale und antisemitische Ideologien“ Bezug nehme. Hammer fasste zusammen: „Hier bestellt ein Burschenschafter seinen Bundesbruder aus derselben deutschnationalen schlagenden Burschenschaft auf Empfehlung eines weiteren Burschenschafters. Das ist ein Musterbeispiel dafür, wie sich rechtsextreme Männerseilschaften gegenseitig in zentrale Positionen hieven.“
Das Parlament verwies auf das ordnungsgemäße Ausschreibungsverfahren gemäß Ausschreibungsgesetz – mit externer Personalagentur, die bereits unter Präsidentin Barbara Prammer beigezogen worden war. Eine Stellungnahme von Rosenkranz oder Weinert zu den Burschenschaftsvorwürfen lag bis Redaktionsschluss nicht vor.
Credits: APA
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