Der wiedergewählte SPÖ-Chef stellt sich am Tag nach dem Parteitag den kritischen Fragen – und liefert sich eine bemerkenswerte Szene mit der ORF-Moderatorin.
Der Parteitag ist vorbei – die Fragen bleiben
Am Sonntagabend war Andreas Babler zu Gast in der ORF-Sendung ZiB2. Einen Tag zuvor war er beim 47. ordentlichen Bundesparteitag in der Wiener Messe als SPÖ-Parteivorsitzender bestätigt worden – mit 81,51 Prozent, deutlich weniger als die 88,8 Prozent, die er vor 2,5 Jahren in Graz erhalten hatte. BVZ
Moderatorin Marie-Claire Zimmermann ließ wenig aus. Gleich zu Beginn zitierte sie die Oberösterreichischen Nachrichten und fragte, ob die Personaldebatte in der SPÖ damit nur vertagt oder endgültig abgesagt sei. Babler antwortete, er habe schon „bessere Schlagzeilen gelesen“, andere hätten sein Ergebnis als „deutliches Signal“ bezeichnet.
„Jetzt haben wir es Schwarz auf Weiß“
Babler versuchte, das Ergebnis als Schlusspunkt zu setzen. Er betonte: „Jetzt haben wir es Schwarz auf Weiß in einem Ergebnis, nichts mehr zu spekulieren.“ Er sei froh, die Spekulationen beenden zu können. oe24 Die Frage, ob noch rote Granden auf seine Ablöse hofften, wollte er nicht kommentieren – er denke nicht über „was wäre, wenn“ nach.
Stattdessen gab sich der Vizekanzler kämpferisch: Dank dem Ergebnis könne man nun „in eine neue Zeit starten“ und sozialdemokratische Projekte realisieren.
Vertrauenskrise – und wer daran schuld ist
Zimmermann hakte nach: Warum gelingt es der SPÖ trotz ihrer Regierungsarbeit nicht, das in Umfragen zu spiegeln? Bablers Antwort war eindeutig: „Weil Vertrauen verloren worden ist in den Regierungen.“ Regierende hätten sich in der Vergangenheit „für nicht zuständig erklärt“. oe24 Die Vorgängerregierung habe die Teuerung „durchrauschen“ lassen. Sein Urteil: „Wir haben ja einen Scherbenhaufen übernommen.“
Eigene Fehler gestand Babler ebenfalls ein – mit einer bemerkenswerten Einschränkung: „Führungsverantwortung heißt, nicht fehlerfrei zu sein.“ Auch hätten Medien „viel herbeigeschrieben“. oe24
Die Umfrage-Szene: ein peinlicher Moment
Der heikelste Moment des Abends kam am Schluss. Konfrontiert mit einer Umfrage, wonach die SPÖ in den vergangenen vier Jahren rund eine halbe Million Anhänger verloren habe, sagte Babler: „Die Umfrage war vor vier Jahren, da war ich nicht in der Parteivorsitzverantwortung.“ oe24
Zimmermann korrigierte ihn trocken: „Die Umfrage ist nicht vier Jahre alt, die ist jetzt unlängst herausgekommen.“
Tatsächlich zeigt eine aktuelle OGM-Längsschnittanalyse, wie oe24 berichtete, dass die SPÖ Ende Februar laut APA-Wahltrend bei 17,4 Prozent lag – knapp vier Prozentpunkte unter dem Nationalratswahlergebnis von 2024. oe24.at Dabei gelang es der SPÖ unter Bablers Führung nicht, eine bestimmte Zielgruppe anzusprechen: An Grüne, FPÖ, NEOS und ÖVP verlor sie gleichermaßen. oe24.at
Bestätigt, aber nicht entlastet
Babler hat den Parteitag überstanden – und gibt sich in der ZiB2 angriffslustig. Doch die Zahlen erzählen eine andere Geschichte. Der Weg zurück zum Vertrauen der Bevölkerung, wie Babler selbst sagte, „ist ein hartes Stück Arbeit“. Ob das Ergebnis vom Samstag dafür die nötige Basis liefert, bleibt offen.
Quellen: oe24.at, ORF ZiB2 (8. März 2026), APA-Wahltrend/OGM-Längsschnittanalyse, BVZ.at, NÖN.at, Tiroler Tageszeitung
Credits: APA
Neueste Kommentare