Auch aus FPÖ-Kreisen mögliche Unterstützung für Niessl: „Österreich kommt vor der Partei“

Auch aus FPÖ-Kreisen mögliche Unterstützung für Niessl: „Österreich kommt vor der Partei“

Hans Niessls mögliche Kandidatur für die Bundespräsidentenwahl 2028 stößt auch außerhalb der SPÖ und ÖVP auf Zustimmung. Die frühere FPÖ-Bundesrätin und langjährige Vertraute Jörg Haiders, Ulrike Haunschmid, erklärt offen, dass sie eine überparteiliche Wahlplattform für Niessl unterstützen würde. Für sie gilt dabei ein Grundsatz ihres früheren politischen Weggefährten: Zuerst kommt Österreich, dann die Bürger – und erst danach die Partei.

Hans Niessl könnte gelingen, was in der österreichischen Politik zunehmend selten geworden ist: Menschen aus unterschiedlichen politischen Lagern hinter einer gemeinsamen Kandidatur zu versammeln. Der frühere burgenländische Landeshauptmann bereitet seit Monaten eine mögliche Kandidatur für die Bundespräsidentenwahl 2028 vor. Dabei setzt er ausdrücklich nicht allein auf die Unterstützung der SPÖ, sondern auf eine überparteiliche Plattform. 

Unterstützung dafür kommt nun auch aus freiheitlichen Kreisen. Ulrike Haunschmid, ehemalige FPÖ-Bundesrätin aus Oberösterreich und Vertraute des früheren Kärntner Landeshauptmannes Jörg Haider, würde eine solche Plattform unterstützen.

„Für mich gilt nach wie vor der Grundsatz von Jörg Haider: Zuerst kommt Österreich, dann die Bürger und dann die Partei. Hans Niessl wäre ein Bundespräsident, der unterschiedliche politische Lager zusammenführen könnte. Eine überparteiliche Plattform für seine Kandidatur würde ich daher unterstützen“, erklärt Haunschmid.

Unterstützung über Parteigrenzen hinweg

Die Wortmeldung ist politisch bemerkenswert. Niessl kommt aus der Sozialdemokratie, hat sich während seiner fast zwei Jahrzehnte als burgenländischer Landeshauptmann aber nie auf das klassische linke Parteienspektrum beschränkt. Er positionierte sich bei Fragen wie Migration, Sicherheit, Leistung und sozialer Gerechtigkeit wiederholt eigenständig und suchte auch die Zusammenarbeit mit anderen politischen Lagern.

Im Burgenland bildete die SPÖ unter seiner Führung 2015 eine Koalition mit der FPÖ. Damit bewies Niessl, dass er auch dann zu politischen Vereinbarungen bereit ist, wenn diese in der eigenen Partei auf Widerstand stoßen. Seine mögliche Hofburg-Kandidatur wurde deshalb von Beginn an auch als Angebot an Wähler verstanden, die sich der politischen Mitte oder dem freiheitlichen Lager zurechnen. 

Haunschmids Unterstützung zeigt, dass dieses Konzept tatsächlich funktionieren könnte. Niessl spricht nicht nur traditionelle SPÖ-Wähler an. Auch Menschen aus dem Umfeld von ÖVP und FPÖ könnten sich eine Unterstützung vorstellen – insbesondere dann, wenn er tatsächlich als unabhängiger Kandidat und nicht als verlängerter Arm einer Parteizentrale antritt.

Niessl will ein aktiver Bundespräsident sein

Niessl hat bereits deutlich gemacht, dass er das Amt anders ausüben möchte als seine Vorgänger. Er wolle ein aktiverer Bundespräsident sein, Reformen einfordern und sich stärker in gesellschaftliche sowie wirtschaftspolitische Debatten einbringen. Gleichzeitig betont er die Notwendigkeit, den Mittelstand zu entlasten und Österreich in einer geopolitisch schwierigen Zeit neu zu positionieren.

Seine Kandidatur soll daher nicht als reines SPÖ-Projekt verstanden werden. Niessl selbst sprach davon, dass die Vorbereitungen „stark in Richtung überparteiliche Plattform“ gingen. Eine Kandidatur ist für ihn offenbar auch ohne Unterstützung der derzeitigen SPÖ-Führung denkbar. 

Gerade darin könnte seine politische Stärke liegen. Während sich die Parteien zunehmend voneinander abgrenzen und politische Diskussionen immer stärker von ideologischen Gegensätzen geprägt sind, präsentiert sich Niessl als pragmatischer Kandidat der Mitte.

Eine Kandidatur jenseits der Parteizentralen

Bis zur Bundespräsidentenwahl 2028 ist noch Zeit. Dennoch nimmt das mögliche Projekt bereits Konturen an. Sollte es Niessl gelingen, Persönlichkeiten und Wähler aus SPÖ, ÖVP, FPÖ sowie aus dem parteiunabhängigen Bereich hinter sich zu versammeln, könnte seine Kandidatur die üblichen parteipolitischen Grenzen tatsächlich überwinden.

Haunschmids Bekenntnis ist dafür ein erstes deutliches Signal: Eine Wahlplattform für Hans Niessl könnte breiter werden als eine klassische SPÖ-Kandidatur. Sie könnte zu einer Bewegung für einen unabhängigen Kandidaten der politischen Mitte werden – getragen von Menschen, für die Österreich tatsächlich vor der Partei kommt.

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