Albanien machte Schlagzeilen als erstes Land weltweit mit einer KI-Ministerin. Jetzt droht das Projekt zu einem Debakel zu werden – mit Ermittlungen wegen organisierter Kriminalität, einer Verfassungsklage und einer aufgebrachten Schauspielerin.
„Diella“ sollte Korruption beenden – und wurde selbst Teil davon
Wie ORF.at berichtet, wurde „Diella“ – albanisch für Sonne – im September 2025 per Präsidentendekret zur Ministerin ernannt. Langzeitpremier Edi Rama versprach damals vollmundig, die KI werde öffentliche Ausschreibungen „zu 100 Prozent frei von Korruption“ machen. „Sie ist meine Tochter“, sagte Rama, „und sie ist sehr loyal gegenüber ihrem Vater.“ Sie habe keine Cousins und riskiere deshalb nicht, dem gängigen Nepotismus zu verfallen.
Der Chatbot existierte bereits seit Jahresbeginn 2025 auf dem digitalen Behördenportal E-Albania und wurde in Kooperation mit Microsoft und OpenAI entwickelt. Im September bekam er einen animierten Avatar in traditioneller albanischer Tracht – mit dem Gesicht und der Stimme der Schauspielerin Anila Bisha.
Betreiber unter Hausarrest – Millionen fehlgeleitet
Wie ORF.at unter Berufung auf die Sonderstaatsanwaltschaft gegen Korruption und organisierte Kriminalität berichtet, wurden im Dezember die Direktorin der nationalen Informationsagentur AKSHI – jener Behörde, die „Diella“ betreibt und dem Regierungschef direkt unterstellt ist – sowie ihre Stellvertreterin unter Hausarrest gestellt. Laut Anklage vergaben sie Aufträge gezielt an befreundete Unternehmen, setzten Konkurrenzfirmen mit Einschüchterung und Drohungen unter Druck, und es soll sogar zu Entführungen gekommen sein. Mehrere Millionen Euro seien auf diese Weise fehlgeleitet worden.
Lutfi Dervishi, früherer Landesdirektor von Transparency International Albanien, brachte das Fazit laut ORF.at auf den Punkt: „Diella“ würde „alte Korruption hinter neuer Software verstecken.“
Verfassungsgericht entscheidet am Dienstag
Parallel läuft eine Verfassungsklage der oppositionellen Demokratischen Partei. Laut Verfassung dürften nur reale Menschen in der Regierung sitzen, ein Algorithmus sei den Bürgern nicht rechenschaftspflichtig, so das Argument. Wie ORF.at berichtet, soll das albanische Höchstgericht am Dienstag entscheiden, ob „Diellas“ Dasein als Regierungsmitglied überhaupt verfassungskonform ist.
Schauspielerin klagt: Ihr Gesicht wurde missbraucht
Dazu kommt eine weitere Klage – von Bisha selbst. Wie ORF.at berichtet, hatte die Schauspielerin ihr Bild und ihre Stimme ursprünglich nur für den E-Albania-Chatbot zur Verfügung gestellt, der Vertrag lief Ende 2025 aus. Zur KI-Ministerin hätte sie nie zugestimmt. Ihr Anwalt betonte: „Es handelte sich um einen exklusiven Gegenstand, einen exklusiven Zweck.“ Die Regierung wies die Vorwürfe zurück.
Credits: APA
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