Ein 52-jähriger Mann wurde am Wiener Landesgericht wegen Vergewaltigung und schwerem sexuellem Missbrauch eines sechsjährigen Mädchens zu viereinhalb Jahren Haft verurteilt. Das Strafmaß gilt als rechtskräftig – und sorgt in Politik und Gesellschaft für massive Kritik.
Der Fall: Kind in Wohnung gelockt, vergewaltigt
Vergangenen Sommer lockte ein 52-jähriger Syrer ein sechsjähriges Mädchen in seine Wiener Wohnung und vergewaltigte es. Wie nachrichten.at berichtete, wurde bei dem Mann nach seiner Festnahme bei einer Hausdurchsuchung auf diversen Datenträgern zwischen 5.500 und 6.000 Dateien mit Kindesmissbrauchsmaterial sichergestellt. Zwei Videos hatte er per WhatsApp weitergegeben, zudem hatte er aus dem Material über 160 Screenshots angefertigt. Der Angeklagte hatte zunächst geleugnet, gestand aber nach der Einvernahme des Opfers unter Ausschluss der Öffentlichkeit. Als Erklärung führte sein Verteidiger eine pädophile Störung sowie die Einnahme von Testosteron an.
Das Urteil wegen Vergewaltigung, schweren sexuellen Missbrauchs Unmündiger und Besitzes von Kindesmissbrauchsmaterial ist laut nachrichten.at bereits rechtskräftig – beide Seiten akzeptierten das Strafmaß von viereinhalb Jahren.
Tanner: „Hier läuft etwas falsch“
Verteidigungsministerin Klaudia Tanner (ÖVP) zeigte sich laut exxpress.at fassungslos über das Urteil und forderte öffentlich eine Debatte über strengere Strafen bei Sexualdelikten an Kindern. Ihr Kommentar war unmissverständlich: „Hier läuft etwas falsch.“ Damit reiht sie sich in eine Reihe von Politikern ein, die das Strafmaß als völlig unangemessen für die Schwere der Tat werten.
FPÖ fordert Konsequenzen für das Justizsystem
Besonders scharf reagierte die FPÖ. Wie unzensuriert.at berichtete, bezeichnete FPÖ-Justizsprecher Harald Stefan das Urteil als „weiteren Schlag ins Gesicht jedes anständigen Bürgers“. Das Strafausmaß stehe in keinem Verhältnis zur Schwere der Tat: „Dieses Urteil ist ein Hohn für das Opfer und seine Familie. Eine derart unfassbare Tat mit einer derart milden Strafe zu ahnden, ist ein fatales Signal an alle Kriminellen und ein weiterer Beweis für die Schieflage in unserem Justizsystem.“
Debatte über Strafrahmen neu entfacht
Das Urteil befeuert eine in Österreich immer wiederkehrende Debatte über die Höhe von Strafen bei Sexualdelikten. Kritiker verweisen darauf, dass der Strafrahmen für schweren sexuellen Missbrauch Unmündiger bis zu zehn Jahre Haft vorsieht. Warum das Gericht im untersten Drittel geblieben ist, begründete es unter anderem mit dem Geständnis des Angeklagten. Befürworter strengerer Strafen halten dagegen, dass gerade bei Vergehen an Kleinkindern das Geständnis allein kein ausreichendes Milderungsargument darstellen kann.
Credits: APA
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