Ukraine-Kurs ohne Rückhalt: NEOS-Außenministerin verliert sogar die eigenen Wähler

Ukraine-Kurs ohne Rückhalt: NEOS-Außenministerin verliert sogar die eigenen Wähler

Eine aktuelle Umfrage bringt die österreichische Außenpolitik in Bedrängnis. 58 Prozent der Befragten lehnen weitere Ukraine-Hilfen ab – selbst unter NEOS-Wählern gibt es keine klare Mehrheit für den Kurs der eigenen Außenministerin.

Die Zahlen sprechen eine deutliche Sprache

Das Marktforschungsinstitut Unique Research hat im Auftrag der Zeitung Heute zwischen 26. und 29. Jänner 2026 insgesamt 800 Österreicher online befragt. Das Ergebnis: Nur 30 Prozent befürworten zusätzliche finanzielle Hilfen für die Ukraine. Eine satte Mehrheit von 58 Prozent spricht sich dagegen aus.

Besonders brisant ist der Blick auf die Wählergruppen. Selbst unter den Anhängern der NEOS, deren Parteichefin Beate Meinl-Reisinger als Außenministerin einen klaren pro-ukrainischen Kurs fährt, gibt es keine Mehrheit für weitere Zahlungen. Lediglich 44 Prozent der pinken Wähler unterstützen zusätzliche Hilfen. Bei ÖVP-Anhängern sind es nur 42 Prozent.

Zustimmung findet der Ukraine-Kurs vor allem bei den Grünen mit 67 Prozent. Auch knapp jeder zweite SPÖ-Wähler (51 Prozent) befürwortet weitere Hilfszahlungen. Am anderen Ende des Spektrums stehen FPÖ-Anhänger: Hier sprechen sich 86 Prozent gegen zusätzliche Zahlungen an Kiew aus.

Meinungsforscher sieht Stimmungswandel

Peter Hajek, wissenschaftlicher Leiter von Unique Research, kommentiert die Ergebnisse differenziert. „In den bisherigen Befragungen sprachen sich die Österreicher immer für eine Unterstützung der Ukraine aus, Russland wurde die Schuld am Krieg gegeben“, erklärt der Meinungsforscher gegenüber Heute. „Sensibel reagiert man aktuell auf finanzielle Unterstützungen.“

Die Stimmung sei stark durch die FPÖ-Wählerschaft geprägt, die in großer Einheit die zusätzlichen drei Millionen Euro aus dem Auslandskatastrophenfonds ablehne, während Mitte-links-Parteien diese eher unterstützten, so Hajek.

Hintergrund: Aufstockung um drei Millionen Euro

Das von NEOS geführte Außenministerium hatte kürzlich die humanitäre Hilfe für die Ukraine aus dem Auslandskatastrophenfonds um drei Millionen Euro erhöht. Angesichts des vierten Winters im russischen Angriffskrieg sollen die Mittel der notleidenden Bevölkerung zugutekommen.

Laut Bundeskanzleramt belief sich die bilaterale staatliche Hilfe Österreichs für die Ukraine bis Anfang April 2024 auf rund 234 Millionen Euro. Davon entfielen 83,46 Millionen Euro auf humanitäre Hilfsbeiträge des Auslandskatastrophenfonds.

FPÖ fordert Zahlungsstopp

Die FPÖ sieht sich durch die Umfrageergebnisse bestätigt. Generalsekretär Michael Schnedlitz forderte in einer Aussendung am Sonntag den „sofortigen Stopp aller Zahlungen an die Ukraine“. „Kein einziger Euro darf mehr fließen“, erklärte Schnedlitz, wie Heute berichtet.

Auch gegenüber Bundeskanzler Christian Stocker (ÖVP) fand Schnedlitz deutliche Worte. Der Kanzler sei „federführend“ daran beteiligt, „dass weitere Millionen Euro an österreichischem Steuergeld an die Ukraine verschenkt werden“. Der FPÖ-Politiker warf Stocker „Rückgratlosigkeit“ vor und bezeichnete ihn als „Erfüllungsgehilfen der pinken außenpolitischen Geisterfahrt“.

Die Ukraine sei „längst zu einem Fass ohne Boden geworden, in das eine unfähige Versager-Regierung rund um ÖVP, SPÖ und NEOS bedenkenlos Milliarden pumpt“, so der freiheitliche Nationalratsabgeordnete. Schnedlitz forderte zudem den Rücktritt von Außenministerin Meinl-Reisinger.

Außenministerin verteidigt Ukraine-Kurs

Außenministerin Beate Meinl-Reisinger hatte bei ihrem ersten Besuch als Außenministerin Mitte März 2025 in Kiew betont, dass Österreich „seit Tag eins der brutalen russischen Aggression“ an der Seite der Ukraine gestanden sei, wie ORF.at berichtete.

Die NEOS-Politikerin reagierte auf die FPÖ-Kritik mit dem Vorwurf „völliger Verrohung“, wie Vienna.at berichtet. Sie hält an ihrem Kurs fest und reiste bereits mehrfach in die Ukraine, zuletzt im Mai 2025 nach Lwiw.

Bevölkerung gespalten

Die Umfrageergebnisse zeigen ein ambivalentes Bild der österreichischen Bevölkerung. Während die grundsätzliche Solidarität mit der Ukraine weiterhin vorhanden zu sein scheint, werden finanzielle Unterstützungen zunehmend kritisch gesehen. Viele Österreicher wünschen sich laut Erhebung, dass staatliche Mittel vorrangig im Inland eingesetzt werden.

Die Debatte um die Ukraine-Hilfe offenbart damit eine zentrale Spannungslinie in der österreichischen Außenpolitik: zwischen internationaler Solidarität und innenpolitischem Druck auf die öffentlichen Kassen.

Credits: APA

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