US-Präsident Donald Trump hat im Konflikt mit dem Iran völlig unerwartet eingelenkt. Kurz vor dem Ablauf eines gesetzten Ultimatums verlängerte er die Waffenruhe auf unbestimmte Zeit. Dieser Schritt sorgt international für Aufsehen, denn noch vor wenigen Tagen drohte der US-Präsident mit heftigen militärischen Schlägen gegen iranische Ziele. Nun gibt er Teheran mehr Zeit für eine diplomatische Lösung.
Milde Töne statt harte Drohungen
Auf seiner Plattform Truth Social schlug Trump auffällig sanfte Töne an. Der US-Präsident verzichtete auf neue Beleidigungen oder Drohungen. Er erklärte, er habe die Feuerpause auf ausdrücklichen Wunsch von pakistanischen Vermittlern verlängert. Die USA wollen nun abwarten, bis die iranische Führung einen geeinten Vorschlag für ein Friedensabkommen auf den Tisch legt. Seine Sprecherin Karoline Leavitt stellte zudem klar, dass es vorerst keine feste Frist für diesen Entwurf gibt.
Zuvor hatten Medien wie Axios und Fox News berichtet, Trump wolle dem Iran lediglich drei bis fünf Tage Aufschub gewähren. Der pakistanische Regierungschef Sharif zeigte sich erleichtert und bedankte sich öffentlich für den Aufschub. Er hofft auf eine zweite erfolgreiche Gesprächsrunde in Islamabad.
Seeblockade bleibt als massives Druckmittel bestehen
Trotz der verlängerten Feuerpause bleibt ein entscheidender Konfliktpunkt ungelöst. Trump ordnete an, die Blockade der für den weltweiten Ölhandel extrem wichtigen Straße von Hormus durch das US-Militär aufrechtzuerhalten. Der ZDF berichtet, dass diese Maßnahme die iranische Führung massiv provoziert. Teheran betrachtet die anhaltende Seeblockade als klaren Verstoß gegen die Waffenruhe.
Die mächtigen iranischen Revolutionsgarden drohten laut dem Sender bereits damit, die Blockade notfalls mit Gewalt zu durchbrechen. Die angespannte Lage auf den Weltmeeren zeigt bereits Folgen: Der Ölpreis für die Nordseesorte Brent stieg zwischenzeitlich wieder auf über 100 Dollar pro Barrel an. Auch Zwischenfälle auf See heizen die Stimmung weiter an. Der Iran beschlagnahmte kürzlich zwei Containerschiffe in der Region. Laut oe24.at wertet Trump dies jedoch nicht als Bruch der Waffenruhe, da es sich um internationale und nicht um amerikanische oder israelische Schiffe handelte.
Experten warnen vor endlosem Konflikt
Wie es nach dieser plötzlichen Kehrtwende weitergeht, ist völlig offen. Historiker und Politikwissenschaftler blicken besorgt auf die Situation. Der Historiker Niall Ferguson geht davon aus, dass die USA sich bereits auf der Verliererstraße befinden. Er rechnet am Ende mit einem Deal, der schlechter ausfallen wird als das Atomabkommen von 2015.
Der israelische Sicherheitsexperte Danny Citrinowicz sieht ebenfalls schwarz und warnt vor einem festgefahrenen Konflikt ohne klaren Ausweg. Er betont, dass militärischer und wirtschaftlicher Druck allein das iranische Regime nicht zum Einlenken zwingen wird. Der Nahost-Experte Thomas Juneau beschreibt die aktuelle Situation treffend als „fragiles Patt“. Beide Seiten hoffen offenbar darauf, dass der Gegner zuerst Schwäche zeigt und nachgibt.
Quellen: oe24.at, Tagesschau, ZDF, Axios, Fox News, dpa, Reuters, AP, AFP
Credits: APA
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