In Salzburg bahnt sich ein politisches Beben an: Landeshauptfrau-Stellvertreter Stefan Schnöll (ÖVP) steht offenbar unmittelbar vor seinem Rückzug aus der Politik. Der erst 38-jährige Politiker soll seine Entscheidung bereits am Montagabend im Parteipräsidium bekanntgeben, wie der ORF berichtet.
Risse in der Beziehung zu Edtstadler
Für den konkreten Hintergrund des Schritts liefern die „Salzburger Nachrichten“ unter Berufung auf ÖVP-Kreise eine Erklärung: Die Beziehung zu Landeshauptfrau Karoline Edtstadler habe in den vergangenen Monaten Risse bekommen, weshalb sich Schnöll zuletzt aktiver um eine Stelle in der Privatwirtschaft bemüht habe. Aus seinem Büro gab es dazu bislang nur ein knappes „Kein Kommentar“, Schnöll selbst war am Samstag für eine Stellungnahme nicht erreichbar. Der genaue Fahrplan seines Rückzugs soll erst am Montag ausgearbeitet werden.
Ein Politiker mit parteiübergreifendem Ansehen
Der Zeitpunkt des möglichen Rückzugs überrascht: Zwar hatte Schnöll nie ein Geheimnis daraus gemacht, nicht sein gesamtes Berufsleben in der Politik verbringen zu wollen, dass er sich aber ausgerechnet jetzt zurückziehen könnte, kommt dennoch unerwartet. Bemerkenswert ist dabei, dass mit Schnöll ein Politiker abtreten würde, der weit über die eigenen Parteigrenzen hinaus Anerkennung genießt – auch bei Vertretern anderer Parteien gilt er als vertrauenswürdig.
Verkehr, Infrastruktur und der Flughafen
In der Salzburger Landesregierung verantwortete der 38-Jährige zuletzt die Bereiche Verkehr, Infrastruktur und den Salzburger Flughafen. Besonders beim Ausbau des öffentlichen Verkehrs setzte er in den vergangenen Jahren eigene Akzente, auch gegenüber dem Bund konnte er wiederholt Projekte und Zusagen für Salzburg durchsetzen. Einen herben Rückschlag musste er allerdings beim Verkehrsprojekt S-Link hinnehmen: Bei der Volksbefragung Ende 2024 sprach sich eine Mehrheit der Salzburger dagegen aus. Politisch überstand Schnöll diese Niederlage jedoch.
Einst als Landeshauptmann-Nachfolger gehandelt
Schnöll galt lange als möglicher Nachfolger des früheren Landeshauptmanns Wilfried Haslauer. Nachdem er selbst auf eine Kandidatur verzichtet hatte, übernahm stattdessen Karoline Edtstadler die Salzburger ÖVP und wurde Landeshauptfrau. Schnöll blieb daraufhin als ihr Stellvertreter ein politisches Schwergewicht in der schwarz-blauen Landesregierung.
Mehr Zeit für die Familie
Ganz aus dem Nichts kommt zumindest ein Aspekt der Entscheidung nicht: Schnöll hatte bereits seit Längerem öffentlich betont, sich mehr Zeit für seine Familie wünschen zu würden. Mit gerade einmal 38 Jahren dürfte für ihn nun tatsächlich ein neues berufliches Kapitel beginnen.
Credits: Stefan Schnöll
Neueste Kommentare