Fate Velaj wollte Bürgermeister von Tirana werden – Rama schickte ihn lieber nach Wien

Fate Velaj wollte Bürgermeister von Tirana werden – Rama schickte ihn lieber nach Wien

Nach Informationen aus albanischen Politik- und Wirtschaftskreisen soll sich Fate Velaj als möglicher Kandidat für das Bürgermeisteramt von Tirana ins Spiel gebracht haben. Ministerpräsident Edi Rama habe sich jedoch gegen diese Lösung ausgesprochen. Statt Tirana zu regieren, vertritt Ramas langjähriger Weggefährte Albanien heute als Botschafter in Österreich.

Die Verhaftung des Tiranaer Bürgermeisters Erion Veliaj hat Albaniens Politik erschüttert. Veliaj wurde auf Anordnung der albanischen Sonderstaatsanwaltschaft SPAK festgenommen. Gegen ihn stehen unter anderem Korruptions- und Geldwäschevorwürfe im Raum. Er bestreitet die Anschuldigungen; es gilt die Unschuldsvermutung. Auch internationale Medien berichteten ausführlich über das Verfahren.

Die Affäre löste innerhalb der regierenden Sozialistischen Partei eine Diskussion darüber aus, wer die politisch und wirtschaftlich bedeutendste Stadt Albaniens künftig führen könnte. Nach Informationen, die exxtra24 aus Gesprächen mit Personen aus albanischen Politik- und Wirtschaftskreisen erhalten hat, soll sich dabei auch Fate Velaj bei Ministerpräsident Edi Rama als möglicher Kandidat ins Spiel gebracht haben.

War Velaj für Premierminister Rama politisch zu riskant?

Mehrere Gesprächspartner vertreten die Auffassung, dass Rama seinen langjährigen Vertrauten nicht an der Spitze Tiranas sehen wollte. Die Gründe dafür seien weniger in Velajs politischer Erfahrung als vielmehr in den zahlreichen Kontroversen rund um seine Person zu suchen.

Demnach soll es auch innerhalb der Sozialistischen Partei Widerstand gegen eine mögliche Kandidatur gegeben haben. Mehrere Abgeordnete hätten eine solche Lösung kritisch gesehen. Auch in Teilen der albanischen Bevölkerung werde Fate Velaj deutlich negativ wahrgenommen.

Fest steht: Rama und Velaj verbindet eine lange politische Beziehung. Velaj wurde bereits 2013 zu Ramas Berater für Kulturdiplomatie ernannt, gehörte von 2017 bis 2021 dem albanischen Parlament an und wurde später von Rama als Botschafter in Österreich vorgeschlagen. 

Bereits seine Bestellung zum Botschafter sorgte in Österreich für politische Diskussionen. Die NEOS brachten dazu eine parlamentarische Anfrage ein https://www.parlament.gv.at/dokument/XXVII/J/18722/fnameorig_1630818.html ). Auch die FPÖ richtete eine entsprechende Anfrage an die österreichische Bundesregierung hinsichtlich Fate Velaj.

Aus Sicht der von exxtra24 befragten Insider könnte die Entsendung nach Wien für Rama einen zusätzlichen Vorteil gehabt haben: Velaj erhielt ein diplomatisches Amt und wurde zugleich aus der unmittelbaren innenpolitischen Öffentlichkeit Albaniens genommen.

Zweifel an akademischen Arbeiten

Besonders schwer wiegen die öffentlich erhobenen Zweifel an Velajs akademischer Laufbahn. Dabei geht es einerseits um einen Abschluss an der umstrittenen privaten Kristal-Universität in Albanien und andererseits um eine in Wien eingereichte Abschlussarbeit.

Der österreichische Plagiatsprüfer Stefan Weber kam bei seiner Untersuchung zu dem Ergebnis, dass Velajs Arbeit erhebliche Textübernahmen aufweise und wissenschaftlichen Standards nicht entspreche.

Exxtra24 prüft darüber hinaus Hinweise auf mögliche Ungereimtheiten rund um den akademischen Grad einer weiteren Person aus Velajs Umfeld in Österreich (Name, Funktionen und Dissertation liegen exxtra24 vor). Exxtra24 bleibt an dem Fall dran.

Weitere schwerwiegende Anschuldigungen

Darüber hinaus wurde Velaj in österreichischen und albanischen Medien mit weiteren Vorwürfen konfrontiert. Berichtet wurde unter anderem über angebliche Unregelmäßigkeiten im Zusammenhang mit Sozialversicherungsleistungen sowie über die Behauptung, er habe eine Verwandte in den Räumlichkeiten der albanischen Botschaft in Wien geschützt.

Inwieweit aktuell die SPAK (Sonderstaatsanwaltschaft in Albanien) noch gegen Fate Velajs wegen dieser behaupteten Vorgänge ermittelt, ist exxtra24 aktuell nicht bekannt. Auch hier gilt die Unschuldsvermutung.

Schlechter Ruf in Teilen der albanischen Wirtschaft

Wie kritisch Velaj in Teilen der albanischen Wirtschaft gesehen wird, zeigt die Aussage eines erfolgreichen albanischen Unternehmers gegenüber exxtra24:

„Ist Fate noch bei Euch in Österreich? Wir sind jedenfalls froh, dass er nicht mehr in Albanien sein Unwesen treibt.“

Das Zitat stellt keine Tatsachenfeststellung dar, sondern gibt die persönliche und ausgesprochen negative Haltung des Gesprächspartners wieder. Seine Identität ist der Redaktion bekannt. Aus geschäftlichen und politischen Gründen möchte er jedoch nicht mit der Person Fate Velaj öffentlich in Verbindung gebracht werden.

Die Aussage verdeutlicht, wie umstritten Velaj in Teilen Albaniens und der albanischen Diaspora ist. Während er sich selbst als Künstler, Schriftsteller, Kulturmanager und Brückenbauer zwischen Albanien und Österreich präsentiert, sehen ihn seine Kritiker vor allem als politischen Günstling Edi Ramas. Sie zeichnen das Bild des einstigen Elektrikers aus Vlora, dessen Aufstieg bis zum Botschafteramt ohne die langjährige Unterstützung des Ministerpräsidenten kaum möglich gewesen wäre.

Blieb Velaj Tirana erspart – oder Tirana Velaj?

Ob Rama Fate Velaj tatsächlich als möglichen Bürgermeisterkandidaten prüfte oder ob sich dieser aus eigener Initiative für das Amt ins Spiel brachte, lässt sich derzeit nicht unabhängig bestätigen. 

Die zeitliche und politische Konstellation wirft dennoch Fragen auf. Nach den schweren Vorwürfen gegen Erion Veliaj hätte die Sozialistische Partei bei einer Neubesetzung des Bürgermeisteramtes einen möglichst unbelasteten Kandidaten benötigt. Fate Velaj hätte aufgrund der Kontroversen um seine akademische Laufbahn und der weiteren öffentlich erhobenen Anschuldigungen ein erhebliches politisches Risiko dargestellt.

Sollten die Informationen der Gesprächspartner von exxtra24 zutreffen, hätte Rama mit Velajs diplomatischer Verwendung gleich zwei politische Ziele erreicht: Er hätte einen langjährigen Weggefährten mit einem angesehenen Amt versorgt und zugleich verhindert, dass die Kontroversen rund um dessen Vergangenheit zum bestimmenden Thema einer möglichen Bürgermeisterkandidatur in Tirana werden.

Credits: BKA

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