Ein Foto, ein Buch, ein Aufschrei: Spielt Marterbauer mit dem Steuer-Feuer?

Ein Foto, ein Buch, ein Aufschrei: Spielt Marterbauer mit dem Steuer-Feuer?

Es ist nur ein Bild auf Instagram, doch die Botschaft schlägt Wellen bis ins hohe Haus: Finanzminister Markus Marterbauer (SPÖ) präsentierte am Wochenende ganz beiläufig seine Lektüre. Auf dem Tisch: Eine Teekanne, eine Tasse – und gut sichtbar das Buch mit dem provokanten Titel „Reichensteuer“. Dazu der lakonische Kommentar: „Wochenendlektüre“.

Ist das noch Zufall oder schon ein eiskaltes Kalkül? Mitten in einer Phase, in der die Koalition ohnehin schon wegen Budgetfragen knirscht, wirkt dieses Posting wie Benzin im Feuer. Das Schweigen des Ministers zu den Hintergründen macht die Sache nur noch pikanter.

Der Zoff hinter den Kulissen

Die Nerven liegen blank. Erst kürzlich wurde Marterbauer in einer entscheidenden Frage von seinem eigenen Parteichef Andreas Babler überstimmt. Es ging um die Senkung der Mehrwertsteuer auf Grundnahrungsmittel. Marterbauer war dagegen, Babler drückte sie durch. Ab Juli 2026 sollen Brot, Milch und Eier billiger werden – Kostenpunkt: 400 Millionen Euro.

Offiziell ist alles gegenfinanziert, doch hinter vorgehaltener Hand brodelt es. Marterbauer soll intern gewarnt haben, dass die Rechnung wackelt. Und nun dieses Foto. Will der Finanzminister damit andeuten, wo er das fehlende Geld wirklich holen möchte?

Das gebrochene Tabu?

Besonders brisant ist die Aktion, weil Marterbauer eigentlich als derjenige galt, der die Wogen glätten sollte. In einem Interview mit der Kronen Zeitung hatte er noch betont: „Für die nächsten fünf Jahre stehen sie nicht zur Debatte.“ Gemeint waren Vermögens- und Erbschaftssteuern. Diese seien im aktuellen Regierungsprogramm schlicht nicht vorgesehen, auch wenn er sie persönlich für „ökonomisch sinnvoll“ halte.

Das doppelte Spiel des Ministers

Die Strategie scheint klar, aber riskant: Marterbauer bedient mit dem Foto die Seele der SPÖ-Basis, die seit jeher nach einer Besteuerung von Reichtum ruft. Wie die OÖNachrichten berichten, hatte die SPÖ im Wahlkampf die Vermögenssteuer als alternativlos propagiert. Doch der Koalitionsfrieden hängt am seidenen Faden. Die ÖVP und die NEOS lehnen solche Steuern strikt ab.

Dass der Finanzminister nun öffentlich mit dem Thema kokettiert, könnte als offene Provokation der Koalitionspartner verstanden werden. Es wirkt, als bereite er das Terrain vor – vielleicht nicht für heute, aber für den Tag X, an dem das Budgetloch zu groß wird, um es noch zu ignorieren.

Quellen: exxpress.at, Kronen Zeitung, OÖNachrichten
Credits: APA

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