Zivildienst: Rekord bei Anmeldungen – Bauer erwartet Verlängerung ab 2029

Zivildienst: Rekord bei Anmeldungen – Bauer erwartet Verlängerung ab 2029

So viele Zivildiensterklärungen wie heuer gab es in den ersten neun Monaten eines Jahres noch nie. Zuständige Ministerin Claudia Bauer (ÖVP) vermutet einen Zusammenhang mit der geplanten Wehrdienstreform – und rechnet damit, dass der Zivildienst schon bald automatisch länger wird.

12.901 Erklärungen bis September

Von Jänner bis September haben 12.901 Männer eine Zivildiensterklärung abgegeben, sechs Prozent mehr als im Vorjahreszeitraum. “Noch nie gab es in den ersten neun Monaten so viele Zivildiensterklärungen wie heuer”, sagte Bauer laut APA bei einer Pressekonferenz am Freitag. Die konkrete Motivlage kenne sie nicht, sie gehe aber davon aus, dass der Ansturm mit der Debatte um die Wehrdienstreform zusammenhänge, auch wenn diese erst später in Kraft tritt.

Die Automatik

Die Reform, die am Mittwoch in Begutachtung ging, sieht für Grundwehrdiener künftig insgesamt neun Monate vor: sechs Monate Grundwehrdienst, ein Monat Truppenausbildung und zwei Monate Milizübungen. Der Zivildienst bleibt vorerst bei neun Monaten. Melden sich in einem Jahr aber weniger als 13.875 Grundwehrdiener, verlängert er sich dauerhaft um zwei Monate. Bauer rechnet damit, dass diese Schwelle bereits nächstes Jahr unterschritten wird und der Zivildienst damit ab 2029 elf Monate dauert. Sie selbst hätte ihn ohnehin gleich parallel zum Wehrdienst verlängert. Ihre Begründung: “Wir wissen schon heute, dass uns aufgrund der demografischen Entwicklung ab 2040 jedes Jahr rund 4.000 Zivildiener fehlen werden, wenn wir nichts ändern.”

Drei Varianten für die Zusatzmonate

Kommt die Verlängerung, gibt es drei Möglichkeiten: elf Monate am Stück, neun Monate und die zwei Zusatzmonate später bei derselben Einrichtung oder statt der zwei Monate ehrenamtliche Arbeit. Neu ist zudem eine verpflichtende Ausbildung für jeden Zivildiener, abgestimmt auf seinen Einsatzbereich. Bei Hochwasser oder anderen Katastrophen sollen ehemalige Zivildiener bis zu zwei Jahre nach ihrem Dienst für höchstens zwei Monate erneut eingesetzt werden können. Bisher kam das erst einmal vor, während der Covid-19-Pandemie. Künftig sollen sie “im Ernstfall innerhalb von zwei Tagen statt von Wochen einsatzbereit” sein.

Obergrenze für Freiwilligendienste

Strenger werden die Regeln für Freiwilligendienste, die statt des Zivildienstes angerechnet werden können. Künftig gilt eine Obergrenze von einem Prozent der Stellungspflichtigen eines Jahrgangs, derzeit rund 360 Männer pro Jahr. Zuletzt waren mehr als 600 in einem solchen Dienst. “Wir ziehen klare Grenzen, weil wir die Zivildiener in Österreich brauchen”, so Bauer. Ausgenommen ist der Gedenkdienst, “weil der Gedenkdienst eine historische Bedeutung für Österreich hat”. Verschärft werden auch die Strafen bei Nichtantritt sowie das Waffenverbot für Zivildiener: Es gilt künftig 20 statt 15 Jahre und umfasst auch Büchsen und Flinten. Dafür dürfen Zivildiener ihre freien Tage künftig auch halbtags nehmen.

Bedarf zu 88 Prozent gedeckt

Mit Stichtag 1. Oktober waren österreichweit 10.760 Zivildiener im Einsatz, bei einem gemeldeten Bedarf von 11.406 Plätzen. Das entspricht einer Deckung von 88,1 Prozent, bis Jahresende erwartet das Ministerium über 90 Prozent. Am besten versorgt ist Oberösterreich mit 93,8 Prozent, “Aufholbedarf” sieht Bauer im Burgenland und in Kärnten. Der größte Teil der Zivildiener arbeitet im Rettungswesen (40 Prozent), gefolgt von Sozial- und Behindertenhilfe (26), Altenbetreuung (12) und Krankenanstalten (9 Prozent).

Credits: BKA/Regina Aigner

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