Spinat, Rotkraut, Erbsen: Vier von fünf Packungen Tiefkühlgemüse, die in Österreich gegessen werden, kommen laut aus einem einzigen Werk im Marchfeld. Der belgische Konzern Ardo will es nach der heurigen Ernte schließen. Die Politik sucht fieberhaft nach einer Lösung – eine ÖVP-Abgeordnete deutet an, dass im Hintergrund schon etwas läuft.
240 Jobs, 500 Bauern
Das Werk der Ardo Austria Frost GmbH in Groß-Enzersdorf ist der wichtigste Tiefkühlgemüse-Produzent des Landes. Dort wird laut “Heute” für Iglo ebenso gefrostet wie für die Eigenmarken der großen Supermarktketten. Nach der heurigen Ernte will das Management die Maschinen abbauen und ins Ausland verlegen. Betroffen sind rund 240 Beschäftigte und etwa 500 bäuerliche Betriebe in der Region. “Spinat in jeder Art und Weise würde mit der Zeit verschwinden, genauso wie das Rotkraut. Da gibt es keine zweite Verarbeitungslinie in Österreich”, warnt der Obmann der betroffenen Bauern.
Selbstversorgung schon jetzt niedrig
Die Schließung trifft einen ohnehin schwachen Bereich. Während Österreich mehr Milch und Fleisch produziert, als es verbraucht, kann es sich bei Gemüse laut “Heute” nur zu 55 Prozent selbst versorgen – Tiefkühlgemüse aus dem Marchfeld bereits eingerechnet. Fällt das Werk weg, dürfte dieser Wert weiter sinken.
Pernkopf: “Kriegserklärung”
Gespräche zwischen Politik und Konzern blieben bisher ergebnislos. Alle Vorschläge zur Rettung oder zumindest zu einer kurzfristigen Weiterführung wurden laut “Heute” vom Ardo-Management abgelehnt. Niederösterreichs Landeshauptfrau-Stellvertreter Stephan Pernkopf (ÖVP) reagierte nach dem jüngsten Treffen am Mittwoch scharf: “Das ist ein kaltblütiges Abdrehen der österreichischen Gemüseproduktion. Da hat niemand Verständnis. Das ist in Wahrheit eine Kriegserklärung.” Die Österreich-Geschäftsführung sei keinen Millimeter von ihrem Zeitplan abgewichen. Eine Stellungnahme des Konzerns enthält der Bericht nicht.
Brief nach Belgien – und ein vager Hinweis
Landwirtschaftsminister Norbert Totschnig (ÖVP) hat sich inzwischen mit einem Brief direkt an die Eigentümerfamilien in Belgien gewandt, eine Antwort steht noch aus. Ob die Regierung notfalls schärfer eingreifen könnte, bleibt offen. Die ÖVP-Abgeordnete Angela Baumgartner, Bürgermeisterin im Bezirk Gänserndorf, versichert: “Sie können sich darauf verlassen, dass wirklich alle Hebel in Bewegung gesetzt werden und auf höchster Ebene an einer Lösung gearbeitet wird.” Details will sie nicht nennen: “Wir können erst darüber sprechen, wenn alle Tücher im Trockenen sind.”
Appelle an Handel und Politik
GPA-Chefin Barbara Teiber (SPÖ) ruft die Handelsketten auf, weiterhin auf österreichischem Tiefkühlgemüse zu bestehen, um den Druck auf Ardo zu erhöhen. NEOS-Abgeordnete und Biobäuerin Karin Doppelbauer sieht die Ursachen tiefer und fordert niedrigere Energiepreise, Lohnnebenkosten und weniger Bürokratie: “Hilfspakete reparieren nur die Folgen, entscheidend ist, die Ursachen anzugehen.”
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